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„Hier habe ich gemerkt, dass ich Tischler werden kann“

Ein junger Mann steht mit einem Hobel an einer Tischlerbank. Er trägt einen Gehörschutz und eine Schutzbrille. Er blickt freundlich in die Kamera.

Die Gründe warum Ausbildungen abgebrochen werden, sind vielfältig. Nicht selten ist es das Umfeld, das jungen Menschen die Perspektive nimmt.

Für Gideon, einen Teilnehmer des Projekts „Du kannst was!“ der SozDia Stiftung Berlin, war genau das der Wendepunkt: Nach zwei abgebrochenen Ausbildungswegen und einer längeren Phase ohne klare Perspektive fand er über das Projekt zurück in einen geregelten Alltag – und schließlich in eine Ausbildung, die wirklich zu ihm passt. Heute macht der 24-Jährige eine Tischlerausbildung und blickt deutlich optimistischer in die Zukunft.

Wie bist du zu „Du kannst was!“ gekommen?
Nach meiner zweiten abgebrochenen Ausbildung war ich erst mal komplett raus. Die erste Ausbildung zum Erzieher hat wegen der Corona-Zeit nicht funktioniert. Danach habe ich Garten- und Landschaftsbau gemacht. Die Arbeit selbst hat mir eigentlich Spaß gemacht und schulisch lief es auch gut – aber das Klima im Betrieb war sehr toxisch. Irgendwann ging dann gar nichts mehr.
Danach habe ich fast ein Jahr lang kaum etwas gemacht. Über ehrenamtliche Arbeit kam ich langsam wieder in einen Alltag rein. Ende 2022 habe ich dann entschieden, mir Hilfe zu holen. Über die Familienhilfe kam der Kontakt zur Jugendberufshilfe zustande – und dort wurde mir schließlich „Du kannst was!“ empfohlen.

Wie hast du deine ersten Tage im Projekt erlebt?
Sehr positiv. Die Mitarbeitenden haben mich freundlich aufgenommen und mir alles gezeigt. Insgesamt war die Atmosphäre hier sehr entspannt. Es gab gemeinsame Frühstücke, feste Strukturen und keinen Druck. Das hat mir geholfen, erst mal wieder anzukommen.

Wie entstand die Idee mit der Tischlerei?
Das Gute bei „Du kannst was!“ ist, dass man hier viele verschiedene Sachen ausprobieren kann. Genau das hat mir geholfen. Ich hatte von Anfang an Interesse an der Holzwerkstatt und konnte dort regelmäßig mitarbeiten und schauen, ob mir das wirklich liegt. Als ich dann öfter dort war, meinte ein Lehrer irgendwann, dass er sich gut vorstellen könnte, dass ich Tischler werde. Daran hatte ich vorher überhaupt nicht gedacht. Ich habe dann ein Praktikum gemacht – und das hat sofort gepasst. Die Arbeit hat mir Spaß gemacht, ich kam mit den Leuten klar und mir fiel vieles leicht. Eine Woche später habe ich direkt die Ausbildung angefangen.

Warum hast du dich bewusst für die Hirnholzwerkstatt entschieden?
Weil dort ein geschützter Rahmen herrscht. Man muss nicht ständig unter Druck arbeiten und wird nicht wegen kleiner Fehler sofort aussortiert. Man bekommt Zeit, Dinge wirklich zu lernen. Nach meinen Erfahrungen vorher war das extrem wichtig für mich. Für mich ist das Betriebsklima heute wichtiger als alles andere.

Was würdest du zur Diskussion um Kürzungen solcher Projekte sagen?
Das ist extrem kurzsichtig. Natürlich kostet so ein Projekt erst mal Geld. Aber wenn junge Menschen dadurch ihre Ausbildung schaffen, arbeiten gehen und Steuern zahlen, profitiert am Ende die ganze Gesellschaft davon. Ohne dieses Projekt hätte ich wahrscheinlich noch mehrere Sachen ausprobiert und wäre vielleicht wieder gescheitert. Hier habe ich endlich etwas gefunden, das wirklich zu mir passt.