Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand die Frage, welche Bedeutung Investitionen in Kinder und Jugendliche für die politische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Zukunft Berlins haben.
Das alte Stadtbad Lichtenberg war die Kulisse für den Bürgertalk „Zukunft Berlin“ der Diakonie Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz. Dort wo früher Kinder im Wasser getobt und ihr Bahnen geschwommen sind, wurde gestern passenderweise über die Zukunft für Jugendliche in der Hauptstadt diskutiert. Konkret ging es unter dem Titel „Jetzt investieren, morgen gewinnen?“ um das Thema Jugendhilfe.
Auf dem Podium diskutierten unser Vorstandsvorsitzender Michael Heinisch-Kirch, Elif Eralp (Die Linke), Steffen Krach (SPD) sowie Dorothee Wetzler-Stöbe, Vorständin der Bürgerstiftung Berlin. Moderiert wurde die Veranstaltung von der Autorin und Dramatikerin Anne Rabe. Rund vierzig Gäste verfolgten die Diskussion, bei der die beiden Spitzenkandidierenden erstmals live aufeinandertrafen. Sie betonten übereinstimmend die zentrale Bedeutung von Jugendhilfe und Jugendarbeit für die Zukunft Berlins.
Auf die Eingangsfrage, was Jugendhilfe konkret brauche, verwies Michael Heinisch-Kirch insbesondere auf den Bedarf an offenen Räumen für Jugendliche – Orte, an denen sie kreativ sein, sich entfalten und miteinander Zeit verbringen können. „Diese Räume sehe ich derzeit stark unter Druck und in Gefahr“, so Heinisch-Kirch. Für Steffen Krach steht dabei vor allem der präventive Charakter der Jugendhilfe im Vordergrund: Probleme müssten frühzeitig angegangen werden, bevor sie sich verfestigen. In diesem Bereich habe Deutschland noch erheblichen Nachholbedarf.
Auch Elif Eralp hob die Bedeutung von Prävention hervor, wenn auch unter anderen Vorzeichen: „Jeder Euro, der jetzt nicht investiert wird, kostet später ein Vielfaches“, so die Politikerin. „Jede Investition lohnt sich.“ Ein Punkt, den unser Vorstandsvorsitzende anhand von konkreten Fallbeispielen zu belegen wusste. „Die Jugendberufshilfe ist der beste Weg, um etwas gegen das drängende Problem des Fachkräftemangels zu tun und später Steuern einzunehmen“, sagte Heinisch-Kirch.
Beim Thema Finanzierung herrschte zwischen den beiden Politiker*innen weitgehende Einigkeit: Jugendhilfe braucht eine langfristige und verlässliche Finanzierungsperspektive. Die derzeit gängige Praxis der kurzfristigen Projektfinanzierung führt aus Sicht von Steffen Krach zu unnötiger Bürokratie und begünstigt eine hohe Fluktuation beim Personal in den Einrichtungen. Dies wirke sich unmittelbar negativ auf die Beziehungsarbeit mit Jugendlichen aus. „Das notwendige Vertrauen kann so nicht aufgebaut werden“, so Krach.
Im späteren Verlauf der Diskussion sorgte der SPD-Politiker mit einem klaren Versprechen für Aufmerksamkeit im Publikum: „Bei Kindern und Jugendlichen werde ich nicht sparen“, erklärte Krach. Offen blieb jedoch, wie er die dafür notwendigen Mittel aufbringen will – vor allem angesichts der von ihm selbst genannten Kostensteigerungen im sozialen Bereich von 15 bis 20 Prozent. Die durch die aktuelle Unterfinanzierung entstehenden Lücken füllen zunehmend Ehrenämtler. Eine Entwicklung, die nicht nachhaltig ist, worauf auch Dorothee Wetzler-Stöbe verwies. „Sie können unterstützen, aber niemanden ersetzen“, mahnte sie.
Die Veranstaltung machte insgesamt deutlich: Investitionen in Kinder und Jugendliche sind kein Kostenfaktor, sondern eine Voraussetzung für eine soziale, stabile und zukunftsfähige Stadt – ganz im Sinne des Mottos „Jetzt investieren, morgen gewinnen“. Aufgabe aller Verantwortlichen ist es nun, entsprechend zu handeln.
