Über 70 Fachkräfte aus freien Trägern, Jugendberufsagenturen, Ankerschulen sowie der Senatsjugend- und -bildungsverwaltung kamen auf Einladung der Liga der freien Wohlfahrtsverbände Berlin bei uns zusammen, um sich über das 11. Pflichtschuljahr und die Rolle der Jugendberufshilfe im Übergang von der Schule in den Beruf auszutauschen.
Als SozDia erleben wir tagtäglich, wie entscheidend dieser Übergang für junge Menschen ist. Wir sehen ihre Potenziale, aber auch die Brüche, Unsicherheiten und Umwege. Deshalb war für uns klar: Diese Veranstaltung gehört genau hierher. In unsere Zukunftsschmiede. An einen Ort, an dem Jugendberufshilfe nicht Theorie, sondern gelebte Praxis ist.
Im Mittelpunkt stand eine zentrale Frage:
Wie können wir verhindern, dass junge Menschen im System zwischen Schule und Beruf verloren gehen?
Denn so wichtig Schulpflicht ist – ein weiteres Schuljahr allein ist nicht automatisch eine tragfähige Perspektive. Besonders dann nicht, wenn Motivation fehlt oder Anschlussoptionen unklar sind. Jugendberufshilfe bietet hier Alternativen: praxisnah, beziehungsorientiert und individuell ausgerichtet.
Gemeinsam haben wir diskutiert:
- Wo beginnt die Verantwortung der Schule – und wo die der Jugendberufshilfe?
- Wie können beide Systeme verbindlicher zusammenarbeiten, statt nebeneinander zu agieren?
- Welche Angebote brauchen welche jungen Menschen wirklich – und wie erreichen wir sie rechtzeitig?
Nach fachlichen Impulsen zum 11. Pflichtschuljahr und zur Jugendberufshilfe ging es in gemischte Arbeitsgruppen. Anhand lebensnaher Fallbeispiele wurde intensiv beraten und hinterfragt. Schnell zeigte sich: Der Bedarf an Austausch ist groß. Die Veranstaltung war nicht nur früh ausgebucht, sie war auch geprägt von Offenheit, Ernsthaftigkeit und dem klaren Wunsch, gemeinsam Lösungen zu entwickeln.
Besonders gefreut hat uns, dass wir den Teilnehmenden nicht nur Diskussionsräume, sondern auch Einblicke in konkrete Praxis ermöglichen konnten: Das Catering aus unserem Ausbildungsrestaurant „Am Kuhgraben“ machte sichtbar, was alternative Wege bedeuten können. Dort absolvieren junge Menschen Praktika und Ausbildungen im Gastronomiebereich außerhalb klassischer Schulstrukturen, aber mit professioneller Begleitung und echter Perspektive.
Wir brauchen mehr gegenseitiges Wissen, mehr verbindliche Kooperation und den Mut, auch neue Wege zu denken. Übergänge gelingen nicht durch Zuständigkeitsdebatten, sondern durch Zusammenarbeit. Und sie gelingen nur dann wirklich, wenn wir junge Menschen nicht als „Fälle“, sondern als Persönlichkeiten mit individuellen Wegen verstehen.
Als SozDia setzen wir uns weiterhin dafür ein, dass kein junger Mensch am Übergang von der Schule in den Beruf verloren geht.


