Junge Menschen zwischen 14 und 18 Jahren finden hier Begleitung und einen geschützten Raum zur Stabilisierung und Identitätsentwicklung. Das neue Angebot ergänzt die bereits existierende Wohngruppe Queerfeldein, wodurch insgesamt 17 Plätze zur Verfügung stehen.
Das Coming-out von queeren Jugendlichen führt oftmals zu Konflikten im Elternhaus und im Freundeskreis, auch Ausgrenzung und Mobbing, zum Beispiel in der Schule, sind keine Seltenheit. Diese Erfahrungen bedeuten eine hohe Belastung in einer für die persönliche Entwicklung zentralen Phase, mit Folgen, die von Scham und Selbstablehnung über Depressionen und Angsterkrankungen bis hin zu selbstverletzendem Verhalten und Suizidalität reichen können. Laut der Queeren Jugend Berlin liegt das Suizidrisiko von queeren Jugendlichen vier- bis fünfmal höher als bei anderen Jugendlichen. Dazu tragen auch die zunehmenden gesellschaftlichen Vorbehalte und öffentlichen Anfeindungen bei, die sich in verbalen und körperlichen Übergriffen sowie abwertenden Beiträgen in den sozialen Medien manifestieren. Allein in Berlin kam es im vergangenen Jahr zu 544 queerfeindlichen Straftaten, 2024 lag die Zahl der Fälle mit 579 sogar noch knapp darüber.
Sicher, selbstbewusst und selbstbestimmt leben
„Mit dem Queerbeet und dem Queerfeldein bieten wir geschützte Räume an, in denen die Jugendlichen sich austauschen und gegenseitig unterstützen können. Unsere Erfahrungen zeigen, dass das Leben unter Gleichgesinnten eine stabile Grundlage für die persönliche Entwicklung schafft und so zu einem positiven Lebensgefühl beiträgt“, so Torsten Siebert, Verbundleiter bei der SozDia.
Queerfeldein und Queerbeet bieten Platz für bis zu sieben bzw. zehn junge Menschen. Besonderen Wert wurde dabei auf eine Raumgestaltung gelegt, die einen achtsamen Umgang mit der individuellen Privat- und Intimsphäre gewährleistet. „Wir verstehen, dass die Auseinandersetzung mit dem eigenen Körper ein zentraler Aspekt der Entwicklung ist und wollen unsere Bewohner*innen darin auch unterstützen“, erläutert Siebert.
Begleitung durch ein multiprofessionelles Team
Betreut werden die beiden intensivpädagogischen Wohngruppen von einem multiprofessionellen Team, das für queere Lebenslagen sensibilisiert ist und über fachliche Erfahrung in der Begleitung von Jugendlichen verfügt. Gemeinsam mit den Bewohner*innen arbeiten die Sozialarbeiter*innen, Erzieher*innen und psychologischen Fachkräfte daran, die Identitätsentwicklung, Kommunikationsfähigkeit und Resilienz der jungen Menschen zu stärken sowie ihre Alltagskompetenzen zu fördern. Weiterhin gehören die Begleitung des Schulalltags, die Unterstützung bei Berufswahl und Bewerbungen sowie die Stärkung der Rolle der Jugendlichen im Familiensystem durch Arbeit mit den Eltern, Angehörigen und engen Bezugspersonen zum Angebot.
Angesichts der erschreckenden Zahlen sowie der vielfältigen Diskriminierungs-, Ausgrenzungs- und Gewalterfahrungen, braucht es mehr spezielle Angebote für queere Jugendliche. Zu diesem Fazit kommt auch der 17. Kinder- und Jugendbericht, der eine stärkere und systematischere Berücksichtigung ihrer Belange in der Kinder- und Jugendhilfe anmahnt. Entsprechend ist die Etablierung des Queerbeets als zusätzliche Wohngruppe ein weiterer wichtiger Schritt im Rahmen des wachsenden Engagements der SozDia für die Belange queerer Menschen.
