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Tariftreue im sozialen Bereich: Umfrage zeigt breite Zustimmung in Berlin und Brandenburg

Demonstrant mit Schild für soziale Gerechtigkeit

Mehr als drei Viertel der Menschen in Berlin und Brandenburg sprechen sich in einer im Auftrag der SozDia durchgeführten Umfrage dafür aus, öffentliche Aufträge im sozialen Bereich an die Bezahlung nach Tarif zu knüpfen.

Die Zustimmung reicht über Parteigrenzen hinweg – für die diakonische Trägerin SozDia ein klarer Auftrag an die Politik, verbindliche Tariftreueregeln auf den Weg zu bringen.

Tariftreue bedeutet, dass Unternehmen bei öffentlichen Aufträgen mindestens die tarifvertraglich vorgesehene Entlohnung zahlen müssen. So soll verhindert werden, dass Anbieter durch niedrigere Löhne Wettbewerbsvorteile erzielen. In Berlin gibt es bereits eine Tariftreueregelung für öffentliche Aufträge, beispielsweise im Baugewerbe, in der Gebäudereinigung und im Catering. Auch Brandenburg plant, bis 2027 eine entsprechende Regelung einzuführen.

Wie groß die Zustimmung zu einer solchen Regelung ist, zeigt eine von Civey im Auftrag der SozDia Stiftung durchgeführte Umfrage: 76,5 Prozent der Befragten in Berlin und Brandenburg sprechen sich dafür aus, öffentliche Aufträge im sozialen Bereich künftig an die Bezahlung nach Tarif zu knüpfen. Die Zustimmungswerte liegen in beiden Bundesländern auf ähnlich hohem Niveau: In Berlin sind es 77,1 Prozent, in Brandenburg 75,7 Prozent.

Die SozDia sieht in diesen Ergebnissen einen klaren Auftrag an die Politik: Öffentliche Aufträge im sozialen Bereich sollten künftig nur an Träger*innen vergeben werden, die ihre Mitarbeitenden tarifgebunden oder tarifgleich vergüten. „Eine Tarifbindung sorgt für bessere Arbeitsbedingungen, höhere Planungssicherheit und stärkt die Attraktivität sozialer Berufe. Davon profitieren am Ende alle Bürger*innen – weil soziale Angebote verlässlich bleiben und Menschen die Unterstützung erhalten, die sie brauchen“, sagt Michael Heinisch-Kirch, Vorstandsvorsitzender der SozDia.

Breiter Konsens beim Fairnessprinzip

Auch das mit der Tariftreue verbundene Prinzip eines fairen Wettbewerbs findet in Berlin und Brandenburg breite gesellschaftliche Akzeptanz. So stimmen rund acht von zehn Befragten (80,7 Prozent) der Aussage zu, dass Anbieter bei öffentlichen Aufträgen keinen Wettbewerbsnachteil haben sollten, wenn sie ihre Mitarbeitenden nach Tarif bezahlen. Nur 4,4 Prozent lehnen diese Aussage ab. Auch bei dieser Frage liegt die Zustimmung in Berlin mit 81,7 Prozent leicht über der in Brandenburg mit 79,2 Prozent.

Ein weiteres Ergebnis der Umfrage: Die Forderung, Aufträge im sozialen Bereich an Tariftreue zu knüpfen, findet auch bei den Anhänger*innen unterschiedlicher Parteien hohe Zustimmung. Unterschieden nach Wahlabsichten auf Bundesebene sprechen sich 89,8 Prozent der Befragten mit Wahlabsicht für Bündnis 90/Die Grünen, 82,9 Prozent mit SPD-Wahlabsicht, 81,6 Prozent mit Wahlabsicht für Die Linke sowie 77,3 Prozent mit CDU/CSU-Wahlabsicht für eine verbindliche Tariftreueregelung im sozialen Bereich aus. Auch unter den Befragten mit BSW-Wahlabsicht sprechen sich mit 68,2 Prozent mehr als zwei Drittel dafür aus. „Tariftreue ist keine Frage parteipolitischer Zugehörigkeit. Die Menschen erwarten, dass öffentliche Gelder nicht diejenigen benachteiligen, die Verantwortung übernehmen und ihre Beschäftigten fair und tarifgebunden bezahlen“, so Heinisch-Kirch. „Diese breite Zustimmung sollte der Politik Rückenwind geben, verbindliche Regeln für Berlin und Brandenburg zu schaffen und dabei den sozialen Bereich von Anfang an mitzudenken.“

Tariftreue braucht verlässliche Refinanzierung

Eine verbindliche Verpflichtung zur tariflichen Bezahlung kann aber nur funktionieren, wenn tarifbedingte Personalkostensteigerungen zuverlässig und vollständig refinanziert werden. Denn eine Tariftreuepflicht allein reicht nicht aus, wenn die Finanzierung sozialer Leistungen nicht mit der tatsächlichen Entwicklung der Personalkosten Schritt hält. Tariftreue und eine verlässliche Refinanzierung gehören somit untrennbar zusammen. Steigende Tarifgehälter und Stufenaufstiege müssen in den öffentlichen Budgets berücksichtigt werden. Andernfalls geraten tarifzahlende Träger unter zusätzlichen finanziellen Druck – mit möglichen Folgen für Personal, Angebote und die Menschen, die auf Unterstützung angewiesen sind. 

 

Zur Umfrage

Die Civey-Umfrage wurde im Auftrag der SozDia Stiftung Berlin vom 18. bis 28. September 2026 unter rund 2.000 Personen ab 18 Jahren in Berlin und Brandenburg online durchgeführt. Die Ergebnisse auf Landesebene sind nach dem von Civey angewandten modellbasierten statistischen Verfahren für kleine Datenräume repräsentativ. Der statistische Fehler liegt bei 3,6 bis 3,7 Prozentpunkten.