Steigende Mieten, ein angespannter Wohnungsmarkt und fehlender bezahlbarer Wohnraum führen dazu, dass immer mehr Menschen von Wohnungsverlust oder unsicherem Wohnen bedroht sind. Für sie gibt es ab Oktober in Neu-Hohenschönhausen eine neue Anlaufstelle: In der Zingster Straße 4 eröffnet die SozDia Wohnungsnotfallhilfe ihren ersten Standort in Lichtenberg.
Vor Ort unterstützen die Fachkräfte der SozDia Menschen dabei, Wohnungsverlust zu verhindern, wieder eigenen Wohnraum zu finden und weitere soziale Probleme zu bewältigen. Auch junge Erwachsene, die nach der Jugendhilfe auf eigenen Beinen stehen möchten, können das Angebot nutzen.
„Viele Menschen kommen erst zu uns, wenn die Situation bereits sehr schwierig geworden ist. Dabei kann frühe Unterstützung entscheidend sein, damit aus einer drohenden Wohnungslosigkeit keine dauerhafte wird“, sagt Christian Fender, Verbundleitung Wohnungsnotfallhilfe und Gemeinwesen bei der SozDia. „Deshalb wollen wir in Lichtenberg gut erreichbar und niedrigschwellig für die Menschen da sein.“
Wohnungsnot ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen
Oft steht am Anfang eine konkrete Wohnungsproblematik: eine Räumungsklage, eine Eigenbedarfskündigung, Mietschulden oder eine Trennung. Dazu kommen nicht selten weitere Schwierigkeiten – etwa Schulden, fehlende medizinische Versorgung oder ein kaum vorhandenes soziales und familiäres Netzwerk.
Gleichzeitig erlebt das Team der Wohnungsnotfallhilfe, dass Wohnungsnot zunehmend unterschiedliche Menschen und Lebenssituationen erreicht. „Wohnungsnot ist längst kein Randphänomen mehr, sondern ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen“, schildert Fender die Erfahrungen. Zu den Leistungsberechtigten zählen verstärkt auch Menschen mit Arbeit und eigenem Einkommen, Familien, Alleinerziehende und junge Menschen. Damit verändern sich auch die Anforderungen an die Fachkräfte: Die Beratungsfälle werden komplexer, niedrigschwellige und vernetzte Hilfen gewinnen an Bedeutung und müssen weiter gestärkt werden.
Mehr als Beratung: ein Ort im Kiez
„Wer eine Wohnung verliert, muss sich häufig gleichzeitig mit Behörden, Anträgen, Schulden und weiteren Problemen auseinandersetzen. Für viele ist es schwierig, in diesem System den Überblick zu behalten“, so Fender. „Wir schauen gemeinsam mit den Menschen: Was ist jetzt dringend? Was kann die Wohnung sichern? Und welche weitere Unterstützung wird gebraucht?“
Vor diesem Hintergrund soll der neue Standort der SozDia Wohnungsnotfallhilfe nicht nur Beratungsstelle, sondern auch Anlaufpunkt im Kiez sein – mit Sport- und Bewegungsangeboten, PC- und Laptop-Arbeitsplätzen sowie der Möglichkeit, Wäsche zu waschen und zu trocknen. Die Zingster Straße liegt in einem Sozialraum, der sich in den vergangenen Jahren stark verändert. In Lichtenberg waren Stand Januar 2025 insgesamt 4.555 wohnungslose Menschen in Unterkünften, Trägerwohnungen, Notübernachtungen und weiteren Angeboten des Hilfesystems untergebracht.Damit entfiel fast jeder zwölfte in Berlin untergebrachte wohnungslose Mensch auf den Bezirk. Besonders betroffen sind Familien mit Kindern: 2024 waren in Lichtenberg 1.320 minderjährige wohnungslose Menschen in Einrichtungen untergebracht.
Mit der neuen Präsenz in Lichtenberg ist die Wohnungsnotfallhilfe der Stiftung künftig an drei Standorten in Berlin vertreten. Die SozDia Wohnungsnotfallhilfe arbeitet bezirksübergreifend, entscheidend sind die persönliche Situation und der Unterstützungsbedarf.
Ab Oktober ist die SozDia Wohnungsnotfallhilfe Lichtenberg jeden Mittwoch von 13 bis 16 Uhr ohne Termin erreichbar.
Standort Neukölln
Offene Sprechstunde: Mittwochs 13 bis 16 Uhr
Braunschweiger Str. 17, 12055 Berlin
Standort Treptow-Köpenick
Offene Sprechstunde: Mittwochs 12 bis 15 Uhr
Elsenstr. 17, 12435 Berlin
