Ausgabe Mai 2012
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Deutscher Naturschutzpreis 2012

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"Stadt braucht Natur - gemeinsam für Vielfalt, Naturerfahrung und Lebensqualität". Unter diesem Motto loben das Bundesamt für Naturschutz (BfN) und der Outdoor-Ausrüster Jack Wolfskin den diesjährigen Deutschen Naturschutzpreis aus. Die hochkarätig besetzte Jury vergibt den Preis für originelle Projektideen aus Naturerlebnis, Naturbildung und Naturschutz in den drei Kategorien: Förderpreis, Bürgerpreis und Ehrenpreis. Die Bewerbungsfrist für Förder- und Ehrenpreis endet am 9. April 2012, für den Bürgerpreis aber am 3. August 2012.

Weitere Informationen unter: www.deutscher-naturschutzpreis.de.

"Berlin ist Berlin und im Tierpark ist richtig Berlin"

im Tierpark 1974, seit dem ist viel Zeit vergangen, Foto: Anne Haertel

von Anne Haertel  /   Druckversion

Diese laxe Bemerkung folgte prompt auf die Schilderung von langen Warteschlangen, fehlenden Hinweisschil­dern, unmotiviertem Personal und schlechter gastronomischer Verpflegung im Berlin-Lichtenberger Tierpark. Das Kuriose an der Bemerkung ist, dass sich Berlin in den letzten zwanzig Jahren erheblich gemausert hat. Selbst Marzahn-Hellersdorf hat mit seinen Gärten der Welt einen attraktiven touristischen Anziehungspunkt geschaffen. Nur am Tierpark scheint die Zeit stehen geblieben zu sein.

So war Beate Kitzmann, Geschäftsführerin der Naturschutzstation Malchow und gleichzeitig Lichtenberger Spit­zenkandidatin für Bündnis 90/ Die Grünen, auch nicht die Einzige, die sich darüber wunderte, warum die Ge­schäftsführung des Tierparks ein eigenes Profil sucht: "Das Besondere des Tierparks ist doch seit Jahrzehnten bekannt. Das Besondere ist seine Größe, seine interessanten historischen Bauten und seine Forschungstraditi­on!" - erinnerte sie an das Erbe des Tierparks.

Mit dem Masterplan "Tierpark 2020+" hat die Tierpark Berlin GmbH dem Senat und Abgeordnetenhaus in diesem Jahr ein Konzept vorgelegt, das die Attraktivität des Tierparks steigern soll, um kostendeckend zu arbeiten.

Im Vorfeld der öffentlichen Diskussion am 29. August 2011 im Lichtenberger Rathaus hatten sich das Bezirksamt Lichtenberg, die Lichtenberger BVV sowie Besucherinnen und Besucher am Diskussionsprozess beteiligt. Ga­briele Thöne, eine der beiden Geschäftsführer/-innen beider Hauptstadtzoos (Tierpark und Zoo), stellte nun den Masterplan vor, der sich aus mehreren Projekten zusammensetzen soll, die sich an einem roten Faden über Jahre und Jahr­zehnte lang hangeln werden. Leider wurden dabei weder die konkreten Bausteine noch die zeitliche Umsetzung erläutert. Das Konzept scheint vor allem auf der Idee zu beruhen, ganztägige Ausflugsangebote für Familien zu schaffen. Wie diese aber konkret aussehen sollen, wurde nicht deutlich. Staatssekretärin Iris Spranger versicher­te, dass der finanzielle Zuschuss von 6 Mio. Euro schon gesichert sei, nun bräuchte es nur noch innovative An­sätze, um mehr Leute zu gewinnen.

Daraufhin wurden aus dem Publikum eine ganze Reihe an Dingen genannt, die verbesserungswürdig sind. Eini­ge Vorschläge könnten schnell umgesetzt werden und würden hohe Attraktivitätseffekte bringen. Herr Kaemp­gens plädierte zum Beispiel für einen nutzerorientierten Weg. Dieser betreffe insbesondere die Servicequalität. So erscheint es dringend notwendig, den verschiedenen Nutzergruppen von Kindern über Muttis und Vatis in der Elternzeit (mit ihren Babys) bis hin zu Senioren, die nicht mehr gut laufen können, sinnvolle Hilfestellungen durch entsprechende Angebote zu bieten. Die müssten dann von Naturspielplätzen für Kinder über Wickeltische, kurzen Wartezeiten, Café's, Orte zum Stillen, bis hin zu Mobilitätshilfen reichen. Frau Thöne versicherte, dass dieser Be­darf bereits erkannt wurde.

Andere Vorschläge verlangten eine Neuorientierung von Tierpark und Zoo, die den Besuchern wie auch den tierischen Bewohnern zu Gute kommen würden. So gab es den Vorschlag, ein gemeinsames Konzept für Tierpark und Zoo zu stricken. Tiere, die mehr Platz bräuchten, könnten zum Beispiel auf dem 160 ha großen Tierparkgelände art­gerechter gehalten werden und mehr Auslauf bekommen, andere wären im Zoo besser aufgehoben. Eine doppel­te Tierhaltung in Zoo und Tierpark wäre dann nicht mehr nötig.

Ein junger Mann erzählte begeistert vom Hannoveraner Zoo, wo während der regelmäßigen Tiervorführungen Wissen über Tiere und ihre Gewohnheiten so vermittelt werden, dass man ganz nebenbei etwas lernt. Herr Bos­se, Vorsteher der BVV Lichtenberg setzte sich ebenfalls für die bessere Vermittlung von Wissen ein: "Warum kann man nicht für eine verbesserte Ausstattung und ein erweitertes Angebot für die auf dem Gelände befindliche Tierparkschule die Senatsverwaltung für Bildung und Forschung mit ins Boot holen?" Andere Fragen waren, wie das Stadtinformationssystem zum Tierpark hin verbessert werden könnte und wie das ehrenamtliche Engage­ment in Zukunft erhalten und einbezogen werden würde. An Ideen mangelte es nicht, doch wer setzt sie in die Tat um?

Für Senatorin Katrin Lompscher beginnt die Veränderung mit der Wiederherstellung und Erhaltung der herausra­genden historischen Tierpark-Bauten. Stolz berichtete sie, dass für die Sanierungskosten des Alfred-Brehm-Hau­ses zwei Drittel der Kosten aus dem Umweltentlastungsprogramm und ein Drittel von der Deutschen Klassenlot­terie bereitgestellt werden und am 6. September 2011 die Sanierung beginnt.

Sie betonte auch, dass der Masterplan "Tierpark 2020+" noch weit am Anfang der Diskussion stehe, da Teile des Konzepts noch nicht genügend durchdacht und viele Fragen noch nicht ausreichend beantwortet seien. Sie plä­dierte im Laufe der Diskussion an die Geschäftsführung der Tierpark GmbH, Gabriele Thöne und Dr. Bernhard Blaszkiewitz, für freundlich gemeinte Kritik offen zu sein und ihr Handlungen folgen zu lassen. Stadtrat Dr. Andre­as Prüfer schloss die Veranstaltung schließlich mit der Bitte, die Diskussion weiterzuführen und den Masterplan breiter in die Öffentlichkeit zu tragen. Er forderte die Anwesenden im Publikum auf, ihre Positionen immer wieder einzubringen.

30. August 2011