Ausgabe Mai 2012
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Deutscher Naturschutzpreis 2012

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"Stadt braucht Natur - gemeinsam für Vielfalt, Naturerfahrung und Lebensqualität". Unter diesem Motto loben das Bundesamt für Naturschutz (BfN) und der Outdoor-Ausrüster Jack Wolfskin den diesjährigen Deutschen Naturschutzpreis aus. Die hochkarätig besetzte Jury vergibt den Preis für originelle Projektideen aus Naturerlebnis, Naturbildung und Naturschutz in den drei Kategorien: Förderpreis, Bürgerpreis und Ehrenpreis. Die Bewerbungsfrist für Förder- und Ehrenpreis endet am 9. April 2012, für den Bürgerpreis aber am 3. August 2012.

Weitere Informationen unter: www.deutscher-naturschutzpreis.de.

Über die Renaturierung des Orankesees, Teil 2

Fotos: Heinz Nabrowsky

von Heinz Nabrowsky  /   Druckversion

In der Juliausgabe der Lichtenberger Umweltzeitung habe ich über die Geschichte des Oranke- und des Ober­sees berichtet. Heute soll nun diese Serie fortgesetzt werden mit einem Ausblick darüber, welche wasserbauli­chen Maßnahmen in wenigen Wochen am Orankesee beginnen sollen.Der Bauherr ist das Amt für Umwelt und Natur des Bezirksamtes Lichtenberg.

Seit Juli 2011 ist einiges geschehen. Damit meine ich nicht nur die laufenden Vorbereitungsarbeiten des Amtes für Umwelt und Natur, sondern auch die Wetterereignisse. Das Wetter blieb sich in den letzten Wochen treu: Es sorgt immer wieder für Überraschungen und stellt neue Rekorde auf. Nach dem frühen und schneereichen Win­tereinbruch im vergangenen Jahr und der anhaltenden Trockenheit im Frühjahr sorgten die Niederschläge im Juli diesen Jahres mit mehr als 90 mm für einen neuen Monatsrekord seit Beginn der Wetteraufaufzeichnungen. Da­bei gab es selbst in Berlin erhebliche Unterschiede. Während am 1. August im Norden Berlins die Sonne schien, ging zeitgleich der Süden der Stadt im Regen unter. Bei der Planung von wasserbaulichen Maßnahmen werden solche extremen Situationen zukünftig noch mehr beachtet werden müssen.

Das sonnenreiche und trockene Frühjahr sorgte aber auch für andere Überraschungen: Im Orankesee haben sich riesige Wasserpflanzenbestände aufgebaut, die in den Vorjahren nicht vorhanden waren. Wasserknöterich, Hornblatt und Tausendblatt stellen aber keinen Grund zur Besorgnis dar. Sie bieten Fischen und Wasserinsekten Unterschlupf, schon in wenigen Monaten bzw. im nächsten Frühjahr wird sich die Situation entsprechend der Wetterlage anders darstellen.

Der Orankesee hat nur unerheblich auf die unglaublichen Regenmengen reagiert und der Wasserspiegel stieg nur um wenige Zentimeter an. Beim Obersee gab es dagegen Probleme mit dem Ablauf des Regenwassers. Zwi­schenzeitlich erreichte der Wasserstand Rekordwerte. Für die weitere Planung des Orankesees gibt es also kei­nen Anlass zur Besorgnis, dass extrem hohe Niederschlagsmengen zum Anstieg des Sees und zu Wasserschä­den führen könnten. Die Auslaufbauwerke können die Wassermengen aufnehmen.

Bereits 2009 hatte das Amt für Umwelt und Natur im Rahmen einer Vorplanung die wichtigsten Ziele für eine Sa­nierung des Orankesees festgelegt:

  • Verbesserung der Wassergüte für den Badebetrieb
  • Verbesserung der natürlichen Reproduktion des Fischbestandes
  • Aufwertung des Landschaftsbildes durch naturnahe Ufergestaltung
  • Erhöhung der Attraktivität der Parkanlage.

Im Vorfeld gab es mehrere Gesprächsrunden mit dem Förderverein Obersee-Orankesee e.V., dem Deutschen Anglerverband, dem Fischereiamt Berlin, den Berliner Bäderbetrieben und dem Pächter des Orankeseebades. Arbeitsergebnisse wurden vom Amt für Umwelt und Natur im Ausschuss Umwelt und Gesundheit der Bezirksver­ordnetenversammlung und im Beirat für Naturschutz und Landschaftspflege Lichtenberg vorgestellt.

Bereits 1995 wurde vom Bezirksamt der Planungsprozess mit dem Beschluss zur Aufstellung eines Landschafts­planes Obersee & Orankesee (L-Plan XXII-L-5) eingeleitet. Im Rahmen dieses Planungsverfahrens erfolg­ten Untersuchungen zur Wassergüte und zur Fauna und Flora der beiden Seen. Als im Jahr 2001 das Bezirksamt Lichtenberg auch für die Unterhaltung der stehenden Gewässer 2. Ordnung im Rahmen der Abschichtung von Aufgaben der Senatsverwaltung an die Bezirke zuständig wurde, begann das Amt für Umwelt und Natur mit der Planung der Sanierung. Auch ohne Vorplanung war zu vermuten, dass für eine Sanierung beider Gewässer meh­rere Millionen Euro benötigt werden. Ein solcher Betrag konnte vom Bezirk allein nicht aufgebracht werden und so wurden Partner und Fördermöglichkeiten gesucht.

In diesen Prozess brachte sich auch der 2005 gegründete Förderverein Obersee-Orankesee e.V. erfolgreich ein. Partner wurden darüber hinaus auch in den Berliner Wasserbetrieben (BWB) gefunden, die mit ihren Ideen und eigenen Gutachten die Voraussetzungen schafften, dass die Kriterien aus der Förderung des Umweltentlastungs­programms (UEP) des Senates erfüllt werden konnten.

Seit Juli 2011 hat das Bezirksamt nun endgültig die Zusage erhalten, dass das Projekt gefördert wird. Das ge­samte Volumen beträgt knapp 3 Millionen Euro. Und damit komme ich zurück zu den im Herbst 2011 geplanten wasserbaulichen Arbeiten am Orankesee.

Bereits im April 2011 erfolgte die Auswahl eines Planungsbüros für die Maßnahme Renaturierung Oranksee so­wie die Auswahl eine Planungsbüros für die Projektsteuerung. Letztere wird vom Büro Aqua Construct durchge­führt, einem Berliner Büro, das bereits in der gleichen Aufgabenstellung z.B. bei der Sanierung der Wuhle tätig war.

Inzwischen liegt die Entwurfsplanung des Büros IDAS Planungsgesellschaft aus Luckenwalde vor. Dieses Büro hatte sich im Auswahlverfahren durchgesetzt.

Folgende Ziele sollen mit der Renaturierung des Orankesees erreicht werden:

  • Schaffung einer naturnahen Ufersituation

  • Erhöhung der Attraktivität des Sees für Erholungssuchende

  • Erhalt und Entwicklung wertvoller Biotope

  • Erhöhung der natürlichen Selbstreinigungsleistung

Die Zielstellung hat sich gegenüber 2009 also nicht verändert. Diese Ziele sollen durch Kürzen der Spundwände sowie durch die Herstellung von Flachwasserzonen und flacheren Uferböschungen erreicht werden. Die Betongit­terplatten im Uferbereich werden nicht erneuert, stattdessen wird die Stahlspundwand im autogenen Schweißver­fahren eingekürzt. Die Arbeiten im Uferbereich sind erforderlich, da durch verrostete Winkeleisen und durch die zum Teil stark verschlissene Plattform im südwestlichen Uferbereich Gefahrenstellen entstanden sind. Eine Er­neuerung erfolgt nicht, da heute aus der gesamtökologischen Sicht eine andere Ufereinfassung zeitgemäß ist.

Das Einkürzen der Stahlspundwände erfolgt im autogenen Schweißverfahren. Damit wird eine zu große Lärmbe­lästigung vermieden. Details der Planung sind auch den beigefügten Darstellungen aus der Entwurfsplanung zu entnehmen. Während der Baumaßnahme bleiben Teile des Orankeseeparks gesperrt. Pünktlich zur Eröffnung des Bades im Frühjahr 2012 werden die Baumaßnahmen abgeschlossen werden.

Die Einzäunung der Bucht gegenüber dem Orankeseebad soll erhalten und erneuert werden. Sie wurde 2010 vorgenommen, um in diesen Bereichen das Baden zu verhindern, denn das Baden im Orankesee ist entspre­chend dem Grünanlagengesetz nur im dafür vorgesehen Bad zulässig. Auf eine Einzäunung der Uferbereiche soll aber auch zukünftig verzichtet werden. Allerdings erfolgt eine extensive Pflege dieser Bereiche. Es wird also zu­künftig nur der Gehölzaufwuchs beseitigt.

Die Angler erhalten an mehreren Stellen des Ufers die Möglichkeit zum Angeln. Eine Bepflanzung der abge­schrägten Ufer ist nicht vorgesehen. Hier soll sich eine Vegetation im natürlichen Prozess herausbilden. Das ist kostensparend und durch natürliche Auslese kommt in wenigen Jahren eine standortgerechte Ufervegetation zu­stande.

Das Amt für Umwelt und Natur wird die Entwurfsplanung an einem Informationsstand von 15-18 Uhr innerhalb des Alt- Hohenschönhauser Seenfestes am 10. September 2011 im Orankseebad vorstellen.

Die Sanierung des Ober- und Orankesees ist sehr umfangreich. In regelmäßigen Abständen wird auch in Zukunft über die einzelnen Teilee in der Lichtenberger Umweltzeitung informiert werden.

September 2011