Ausgabe Mai 2012
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Deutscher Naturschutzpreis 2012

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"Stadt braucht Natur - gemeinsam für Vielfalt, Naturerfahrung und Lebensqualität". Unter diesem Motto loben das Bundesamt für Naturschutz (BfN) und der Outdoor-Ausrüster Jack Wolfskin den diesjährigen Deutschen Naturschutzpreis aus. Die hochkarätig besetzte Jury vergibt den Preis für originelle Projektideen aus Naturerlebnis, Naturbildung und Naturschutz in den drei Kategorien: Förderpreis, Bürgerpreis und Ehrenpreis. Die Bewerbungsfrist für Förder- und Ehrenpreis endet am 9. April 2012, für den Bürgerpreis aber am 3. August 2012.

Weitere Informationen unter: www.deutscher-naturschutzpreis.de.

Das Naturschutzgebiet Falkenberger Rieselfelder

Foto: Beate Kitzmann
Foto: Beate Kitzmann

von Beate Kitzmann   /   Druckversion

Immer wieder überraschen Naturschutzgebiete in der Stadt durch ihre besondere Vegetation und Tierwelt. Umge­ben von Neubaugebieten und viel befahrenen Straßen eröffnet sich im Naturschutzgebiet Falkenberger Rieselfel­der dem Besucher ein Kleinod von ungewöhnlicher Naturvielfalt.

Die ehemaligen Rieselfelder befinden sich an der nördlichen Stadtgrenze Berlins im Bezirk Lichtenberg. In einer eiszeitlichen Erosionsrinne nördlich von Falkenberg - zwischen Wartenberg im Westen und Ahrensfelde im Osten - wurden 930 Hektar mehr als acht Jahrzehnte lang von Abwasserberieselung und Landwirtschaft geprägt. Von der intensiven landwirtschaftlichen Nutzung, nach Einstellung des Rieselbetriebes Ende der sechziger Jahre, wurde nur ein kleiner Teil ausgenommen. Dieser Bereich enthält heute noch Reste der ehemaligen Rieselfeld­strukturen und zeichnet sich aus Sicht des Naturschutzes durch bemerkenswerten Reichtum an gefährdeten Tier- und Pflanzenarten aus. Darüber hinaus ist dieses Gebiet ein Stück regionaltypischer Kulturlandschaft im Berliner Barnim.

Wegen seiner Bedeutung für den Natur- und Artenschutz wurde dieser 86,26 Hektar große Abschnitt der Falken­berger Rieselfelder am 29. März 1995 unter Naturschutz gestellt.

Tier- und Pflanzenwelt im Naturschutzgebiet Falkenberger Rieselfelder


Aufgrund der vielfältigen Geländestruktur, die sich aus der Technik der Rieselfeldwirtschaft ergeben hat, haben sich hier die unterschiedlichsten Vegetationsformen durchgesetzt. Hecken, Gebüsche, Weidenbäume, Trocken­rasen, Feuchtwiesen, Pappelbestand und Überflutungsbereiche, durchsetzt von kleineren Gewässern, bieten ideale Lebensräume für eine ungewöhnliche Vielfalt vor allem von Vögeln und Amphibien. Durch die Beendigung der Rieselfeldbewirtschaftung ist das Gebiet in starke Abhängigkeit von der jährlichen Niederschlagsmenge gera­ten. Dementsprechend ist die Anzahl der Brutvogelarten starken Schwankungen unterlegen. Noch stärker wirken sich feuchte oder trockene Jahre auf den Bestand an Rastvögeln aus. In manchen Jahren wurden hier rund 100 Vogelarten registriert. Hinzu kommen rund drei Dutzend Arten als Nahrungs- und etwa eben so viele als Winter­gäste.

Zahlreiche der hier brütenden Vögel finden sich auf der Roten Liste besonders gefährdeter Arten wieder.

Wenn auch viele dieser Vögel vom Wege aus kaum zu entdecken sind, hört man doch die charakteristischen Rufe oder Gesänge von Feldlerche, Schwarz- und Braunkehlchen oder Schafstelze. Für Schleiereule, Rohrwei­he, Turmfalke, Weißstorch und Kiebitz, die ihre Brutplätze im näheren Umfeld haben, sind die Falkenberger Rie­selfelder ein bedeutendes Nahrungsgebiet. Sogar der seltene Baumfalke hat sich hier eingefunden.

Ebenfalls nur zu hören sind von April bis Juni Moor- und Teichfrösche und Erd- und Wechselkröten. Von zehn hier nachgewiesenen Amphibien- und Reptilienarten gelten alle als gefährdet oder sogar vom Aussterben be­droht. Hier leben Ringelnattern, Kammmolche und sogar Rotbauchunken.

Die Vegetation im Naturschutzgebiet Falkenberger Rieselfelder wird in weiten Teilen noch nachhaltig durch die langjährige Verrieselung von Abwasser geprägt. Auf diesen nährstoffreichen Böden wächst vor allem das Land­reitgras, ein ausdauerndes, hochwüchsiges und sehr hartes Gras, das nur von wenigen robusten Rinder- und Pferderassen gefressen wird.

Aus der Sicht des Botanikers sind nicht nur die zahlreichen Kleingewässer mit ihren Wasserpflanzen- und Röh­richtgesellschaften bedeutsam, sondern auch die Wiesen, Mähweiden, Weiden und Brachflächen.

Zur Zeit wachsen im Naturschutzgebiet Falkenberger Rieselfelder 335 Arten Farn- und Blütenpflanzen. Darunter sind 17 Arten, die nach der Roten Liste in Berlin vom Aussterben bedroht oder gefährdet sind. Besonders hervor­zuheben sind das Echte Tausendgüldenkraut, der Rauhe Hahnenfuß und das Acker-Filzkraut, da diese Arten im Naturschutzgebiet in großen Populationen vorkommen.

Das Echte Tausendgüldenkraut ist ein Enziangewächs, das im Gebiet auf trockenen Sandböden in lückigen Landreitgrasfluren wächst. Der Rauhe Hahnenfuß ist eine eher unscheinbare, niedrigwüchsige Pflanze, die auf den Weißkleeweiden durch ihre gelben Blüten und bei näherem Hinsehen durch ihre nach unten gerichteten Kelchblätter auffällt. Das Acker-Filzkraut ist eine einjährige lichtbedürftige Art, die auf sandigem Boden an offenen Störstellen, die durch den Tritt der Rinder und Pferde entstehen, wächst.

Jetzt sogar europäisch geschützt!


Dieses wunderbare Gebiet ist nunmehr von der Europäischen Kommission in die Liste der Gebiete von gemein­schaftlicher Bedeutung eingetragen worden und erhielt die Landesnummer (FFH-Gebiet 5, Gebietsnummer DE - 3447-301). Das Naturschutzgebiet Falkenberger Rieselfelder ist somit Bestandteil des kohärenten Europäischen Netzes NATURA 2000 und es bestehen bindende internationale Verpflichtungen zum besonderen Schutz des FFH-Gebietes.

Verfahren zur Überarbeitung der Unterschutzstellung


Da die Unterschutzstellung im Jahr 1995 erfolgte, ist nunmehr eine Überprüfung und Anpassung der Schutzge­bietsverordnung erforderlich. Diese Überprüfung findet derzeit in der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung statt. Nunmehr müssen geeignete Gebote und Verbote, sowie Pflege und Entwicklungsmaßnahmen beschrieben und durchgeführt werden, die das Gebiet in einem sehr guten ökologischen Zustand erhält.

Darüber hinaus wird es erforderlich, die in den letzten 15 Jahren erfolgten Pflege- und Entwicklungsmaßnahmen auszuwerten und sinnvolle Anpassungen durchzuführen.

Februar 2012