Initiative Transparente Zivilgesellschaft

Deutscher Naturschutzpreis 2012

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"Stadt braucht Natur - gemeinsam für Vielfalt, Naturerfahrung und Lebensqualität". Unter diesem Motto loben das Bundesamt für Naturschutz (BfN) und der Outdoor-Ausrüster Jack Wolfskin den diesjährigen Deutschen Naturschutzpreis aus. Die hochkarätig besetzte Jury vergibt den Preis für originelle Projektideen aus Naturerlebnis, Naturbildung und Naturschutz in den drei Kategorien: Förderpreis, Bürgerpreis und Ehrenpreis. Die Bewerbungsfrist für Förder- und Ehrenpreis endet am 9. April 2012, für den Bürgerpreis aber am 3. August 2012.

Weitere Informationen unter: www.deutscher-naturschutzpreis.de.

"Klimaschutzprojekte gehen nur gemeinsam!"

Die neue Klimaschutzmanagerin Kirsten Schindler bringt Energie mit.

Interview mit der neuen Lichtenberger Klimaschutzbeauftragten Kirsten Schindler

von Anne Haertel  /   Druckversion

Anne Haertel:
Sie arbeiten seit dem 1. November 2011 als Klimaschutzbeauftragte im Bezirksamt Lichtenberg. Eine Klimaschutzbeauftragte hat es vorher nicht gegeben. Wie ist es zu dieser Stelle gekommen?

Kirsten Schindler:  Die Bundesregierung hat schon seit einiger Zeit vor, eine Energiewende einzuleiten. Dazu hat das Bundesumweltministerium eine Nationale Klimaschutzinitiative gestartet. Deutschlandweit sollen die CO²-Emissionen bis 2020 (im Vergleich zu 1990) um 40 Prozent reduziert werden. Um das zu errei­chen, werden die Länder und Gemeinden dazu anhalten, CO²-Emissionen zu reduzieren. Der Bund unterstützt nun die Länder und Gemeinden finanziell dabei, lo­kale Klimaschutzkonzepte zu erarbeiten. Was nicht heißt, dass das alle auch machen. In Berlin gibt es diese Unterstüt­zung sogar für jeden einzelnen Stadtbezirk. In Lichtenberg wurde das sogenannte "Integrierte kommunale Klimaschutz­konzept für den Bezirk Lichtenberg" im letzten Jahr (2010) erarbeitet und am 25. November 2010 in der Bezirksverord­netenversammlung verabschiedet. Das Lichtenberger Klimaschutzkonzept umfasst einen Katalog mit 30 einzelnen Maß­nahmen.

Wenn man als Land bzw. Stadtbezirk soweit gekommen ist, folgt der zweite Schritt. Für die Umsetzung der Maßnahmen können nun Mittel aus der Nationalen Klimaschutzinitiative beantragt werden, die für drei Jahre eine "Klimaschutzmana­gerin" finanzieren.

Anne Haertel:  Welchen beruflichen Hintergrund bringen Sie für diese Stelle mit?

Kirsten Schindler:  Ich bin Diplom-Geographin und war zuletzt mehrere Jahre bei der Berliner Energieagentur GmbH tä­tig. Ich habe reichlich Erfahrungen in der Immobilienentwicklung, der energetischen Stadterneuerung und im Netzwerk­management von Energieprojekten gesammelt. Was ich hier einbringen kann, sind außer meinen Erfahrungen auch meine reichlichen Kontakte und au­ßerdem habe ich eine Menge Ideen für Projekte, die ich gern umsetzen möchte.

Anne Haertel:  Was war das Erste, was Sie in Angriff genommen haben?

Kirsten Schindler:  Meine Aufgabe besteht ja vor allem darin, die Maßnahmen aus dem Klimaschutzkonzept in Zusam­menarbeit mit den Fachabteilungen des Bezirksamtes und den Lichtenberger Akteuren umzusetzen. De facto heißt das, dass ich Projekte initiieren und koordinieren werde. Klimaschutzprojekte gehen nur gemeinsam, dafür gewinnen dabei alle! Das erste in den vergangenen vier Wochen war also, dass ich Akteure im Bezirk kennen gelernt habe. Außerdem habe ich mit potentiellen Sponsoren über verschiedene Fördermöglichkeiten gesprochen. Parallel dazu habe ich den Energiesparwettbewerb "Energienachbarschaften" beworben, weil ich finde, dass auch Lichtenberg sich an diesem inter­nationalen Projekt beteiligen sollte. Hier suche ich kurzfristig noch interessierte Menschen, die sich beteiligen wollen. (siehe Artikel in dieser Ausgabe: "Lichtenberger Haushalte für Teilnahme an Energiewette gesucht".

Anne Haertel:  Wo werden Sie Ihre Schwerpunkte in der Umsetzung des Klimaschutzkonzeptes setzen?

Kirsten Schindler:  Gemäß der lokalen Klimabilanz entfällt der höchste Anteil des Energieverbrauchs auf die Haushalte. Dieser Energieverbrauch resultiert wiederum zum größten Teil aus der Wärmeversorgung. Daher sehe ich meinen Ar­beitsschwerpunkt bei der Erhöhung der Gebäudesanierungsquote sowie der Durchführung von qualifizierten Energiebe­ratungen für private Haushalte, aber auch im Bereich Industrie und Gewerbe. Gern möchte ich die Umsetzung von ge­bäudeübergreifenden Energiekonzepten auch in Gebieten mit einer heterogenen Eigentümerstruktur voranbringen.

Anne Haertel:  Wie meinen Sie das?

Kirsten Schindler:  Mir geht es um die energetische Sanierung von Straßenzügen und Wohnquartieren, wo nahezu jedes Haus einem anderen Eigentümer gehört. Man könnte hier über das einzelne Haus hinaus denken und zum Beispiel häu­serübergreifende quartiersbezogene Energiekonzepte mit mehreren Eigentümern umzusetzen. Die damit verbundene gemeinsame Nutzung von Anlagen spart Geld, bedarf aber im Vorfeld vor allem der Klärung von zahlreichen rechtlichen Fragen.

Anne Haertel:  Im Sommer diesen Jahres wurde in verschiedenen Fachforen über die Fortschreibung des Lich­tenberger Klimaschutzkonzeptes diskutiert. Dabei wurde festgestellt, dass es nicht nur um CO²-Einsparung bei Immobilien und um den Einsatz Erneuerbarer Energien gehen kann. Verkehr und Stadtgrün spielen eine große Rolle sowie die Prävention im Sinne von Wissensvermittlung und allgemein verändertem Nutzerdenken und -verhalten. Dazu ist aber im Klimaschutzkonzept bisher sehr wenig vorgesehen. Wie stehen Sie dazu und was haben Sie hier vor?

Kirsten Schindler:  Ich sehe das Klimaschutzkonzept als eine gute Bestandsgrundlage, von der aus man nun weiter agiert. Das heißt, die dort beschriebenen Maßnahmen sind natürlich veränder-, vor allem auch erweiterbar. Und neue Entwicklungen finden ebenfalls einen Platz. So müssen zum Beispiel auch Klimaanpassungen als Aufgabe verstärkt wahrgenommen werden. Dazu gehören Begrünungs- und Entsiegelungsmaßnahmen. Die Ergebnisse der Fachforen werde ich mir genau anschauen und mit den Beteiligten auch weiter verfolgen.

Anne Haertel:  Was wird das Nächste sein, was Sie in Angriff nehmen werden?

Kirsten Schindler:  Als nächstes freue ich mich auf Abstimmungsgespräche mit dem Büro für Wirtschaftsförderung und dem Stadtplanungsamt. Wir werden versuchen, die Klimaschutzaspekte in laufende und künftige Projekte zu integrieren. Gern möchte ich gemeinsam mit der Um­weltKontaktstelle und der Investitionsbank Berlin eine Fachveranstaltung zu Fi­nanzierungsmöglichkeiten vonn innovativen Energietechnologien planen.

Anne Haertel:  Ich wünsche Ihnen für den Start weiterhin gutes Gelingen. Ich freue mich, dass wir eine so ideen­reiche und aktive Klimaschutzbeauftragte für den Bezirk bekommen haben.

29. November 2011