Ausgabe Mai 2012
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Deutscher Naturschutzpreis 2012

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"Stadt braucht Natur - gemeinsam für Vielfalt, Naturerfahrung und Lebensqualität". Unter diesem Motto loben das Bundesamt für Naturschutz (BfN) und der Outdoor-Ausrüster Jack Wolfskin den diesjährigen Deutschen Naturschutzpreis aus. Die hochkarätig besetzte Jury vergibt den Preis für originelle Projektideen aus Naturerlebnis, Naturbildung und Naturschutz in den drei Kategorien: Förderpreis, Bürgerpreis und Ehrenpreis. Die Bewerbungsfrist für Förder- und Ehrenpreis endet am 9. April 2012, für den Bürgerpreis aber am 3. August 2012.

Weitere Informationen unter: www.deutscher-naturschutzpreis.de.

Katharina-Heinroth-Preis 2012 an Miriam Thiele

Foto: Heinz Nabrowsky
Foto: Heinz Nabroswky

von Heinz Nabrowsky   /   Druckversion

Die Gesellschaft Naturforschender Freunde zu Berlin hat die diesjährigen Preisträger des Katharina-Heinroth-Preises ausgewählt. Zu den Preisträgern gehört auch Miriam Thiele, die im Amt für Umwelt und Natur im Be­zirksamt Lichtenberg arbeitet. Der Preis wurde ihr am 17. Januar 2012 im Biologischen Institut der Freien Univer­sität Berlin übergeben. Sie erhielt den Preis für ihre Arbeit: "Die Verbreitung des europäischen Eichhörnchens (Scirius vulgaris L.,1758) im städtischen Bereich anhand des Beispiels Berlin-Lichtenberg."

Als Miriam Thiele (geb. Pohrt) im Frühjahr 2010 in einigen Zeitungen um die Meldung von Eichhörnchen im Be­zirk Lichtenberg bat, folgten viele Bürgerinnen und Bürger ihrem Aufruf. Zu Hunderten meldeten sie sich bei der Biologie-Studentin, um ihr ihre Eichhörnchenbeobachtungen und persönlichen Erfahrungen mit den possierlichen Nagern mitzuteilen. So ist es u.a. auch den Lichtenbergern und Lichtenbergerinnen zu verdanken, dass Miriam Thiele ihre Diplomarbeit zur "Verbreitung des Eichhörnchens im städtischen Bereich anhand des Beispiels Berlin-Lichtenberg" im Dezember 2010 mit Auszeichnung abschließen konnte.

Miriam Thiele hat im Rahmen ihrer Diplomarbeit durch eigene Begehungen den Eichhörnchenbestand im Bezirk Lichtenberg untersucht. So konnte nicht nur die gegenwärtige Verbreitung des Eichhörnchens im Bezirk abschlie­ßend geklärt werden, sondern es wurden bisher nicht bekannte Verhaltensweisen des Eichhörnchens festgestellt. Die Arbeit stellt somit eine wichtige Grundlage für die weitere Erforschung dieser Tierart in Deutschland dar.

Obwohl das europäische Eichhörnchen sehr häufig vorkommt, ist es langfristig potenziell durch die Einwande­rung des nordamerikanischen Grauhörnchens gefährdet. Auf den britischen Inseln steht das europäische Eich­hörnchen vor dem Aussterben. Auch in Norditalien gibt es eine Population, die auf Aussetzungen von Tieren zu­rückgeht. Allerdings gibt es für die Berliner Eichhörnchen noch eine Schonfrist, da das Grauhörnchen bisher die Alpen nicht überquert hat.

Die Gesellschaft der Naturforschenden Freunde zu Berlin wurde 1773 gegründet und ist somit die älteste privat gegründete und bis heute bestehende naturwissenschaftliche Gesellschaft Deutschlands. Zahlreiche berühmte Persönlichkeiten waren seither Mitglied der Gesellschaft, wie z.B. Alexander von Humboldt und Konrad Lorenz. Damals wie heute hat es sich die Gesellschaft zur Aufgabe gemacht, naturwissenschaftlich interessierte Men­schen zusammenzuführen und für einen regen Austausch an Informationen untereinander zu sorgen. Hierfür fin­den monatliche Sitzungen statt, bei denen aktuelle Forschungen vorgestellt und diskutiert werden. Traditionell fin­det bei der ersten Sitzung im Jahr die Verleihung des durch die Spenden der Mitglieder finanzierten Katharina-Heinroth-Preises statt.

Der Preis wurde nach der Berliner Zoologin Katharina Heinroth benannt.

Wer war Katharina Heinroth?

Katharina Heinroth (geb. Berger) wurde 1897 in Breslau geboren. Dort studierte sie Geographie, Geologie, Bota­nik und Zoologie und promovierte anschließend. 1933 heiratete sie den Ornithologen und Kurator des Berliner Aquariums Oskar Heinroth und unterstützte ihren Mann in seiner Forschungsarbeit. Nach dessen Tod und der Flucht des Zoodirektors 1945 wurde Katharina Heinroth wissenschaftliche Leiterin des schwer zerstörten Berliner Zoos. Trotz der schwierigen Nachkriegsbedingungen gelang es ihr, den Zoo und das Aquarium wieder aufzubau­en. So wurde u.a das Elefantenhaus unter ihrer Leitung neu erbaut. Katharina Heinroth leitete den Zoo bis 1957 und war zu ihrer Zeit die einzige Frau in einer solchen Position. Sie zählte zu den renommiertesten Tiergärtnerin­nen ihrer Generation. Nebenbei lehrte sie an der TU Berlin Allgemeine Zoologie, wobei sie sich insbesondere auf die vergleichende Verhaltensforschung spezialisierte. Katharina Heinroth starb 1989 im Alter von 92 Jahren in Berlin.

In ehrendem Andenken an ihr Ehrenmitglied Katharina Heinroth vergibt die Gesellschaft der naturforschenden Freunde zu Berlin seit 1994 jährlich bis zu drei Preise, bei denen die Preisträger eine Urkunde und ein Preisgeld erhalten.

In diesem Jahr kam es nun am 17.01.2012 erstmalig zur Verleihung von vier Katharina-Heinroth-Preisen, da vier der eingereichten Arbeiten qualitativ gleichwertig waren und sich die Jury nicht auf die üblichen drei festlegen konnte oder wollte.

Miriam Thiele ist seit 2011 im Umwelt- und Naturschutzamt Lichtenberg im Sachgebiet tätig. Sie nimmt dort Auf­gaben des Artenschutzes wahr und ist u.a. für die Betriebserlaubnis des Tierparkes Berlin zuständig.

Wer sich selbst einen Eindruck über das Eichhörnchen in Lichtenberg machen und somit persönlich Frau Thiele erleben möchte, ist gerne eingeladen, sich am 22. Februar 2012 um 19.00 Uhr im Rathaus Lichtenberg Möllen­dorffstraße 6, 10367 Berlin, Raum 114 einzufinden. Dort wird Frau Thiele im Rahmen der Veranstaltung der NABU-Bezirksgruppe Lichtenberg einen Vortrag zum Thema "Stadt- oder Wildtiere, das Eichhörnchen und der Feldhase in Lichtenberg" halten.

Februar 2012