Ausgabe Mai 2012
Abfall & Recycling
Bildung & Beruf
Energie & Wärme
Mobilität & Verkehr
Natur & Naturschutz
Veranstaltungen
Stellenangebote
Finanzierung
Kontakt
Impressum
Initiative Transparente Zivilgesellschaft

Deutscher Naturschutzpreis 2012

Jetzt bewerben!

"Stadt braucht Natur - gemeinsam für Vielfalt, Naturerfahrung und Lebensqualität". Unter diesem Motto loben das Bundesamt für Naturschutz (BfN) und der Outdoor-Ausrüster Jack Wolfskin den diesjährigen Deutschen Naturschutzpreis aus. Die hochkarätig besetzte Jury vergibt den Preis für originelle Projektideen aus Naturerlebnis, Naturbildung und Naturschutz in den drei Kategorien: Förderpreis, Bürgerpreis und Ehrenpreis. Die Bewerbungsfrist für Förder- und Ehrenpreis endet am 9. April 2012, für den Bürgerpreis aber am 3. August 2012.

Weitere Informationen unter: www.deutscher-naturschutzpreis.de.

Das Eichhörnchen in Lichtenberg

Foto: Ingrid Schultz: Eichhörnchen im Interkulturellen Garten in der Nähe der Landsberger Allee

von Miriam Pohrt   /   Druckversion

Wie viele Wildtiere zuvor, ist auch das europäische Eichhörnchen (Sciurus vulgaris) in den letzten Jahrzehnten vermehrt in die menschlichen Siedlungen eingewandert und hat den Lebensraum Stadt für sich erschlossen. Wo sich das Eichhörnchen in der Stadt genau niedergelassen hat, ob Bäume immer noch ein wichtige Bestandteil seines Lebens sind und inwiefern es bereits Anzeichen einer Verstädterung zeigt, sind nur einige der Fragen, die im Zuge einer Diplomarbeit im vergangenen Jahr bearbeitet werden sollten. Stellvertretend für das Ökosystem Stadt wurde hierbei der Bezirk Lichtenberg als Untersuchungsgebiet gewählt, da er viele unterschiedliche Struk­turen (Wohnsiedlungen, Wald, Parkanlagen, Friedhöfe, Tierpark Berlin, Rieselfelder, etc.) aufweist.

Mit Hilfe der Lichtenberger Bürger und Bürgerinnen konnte eine bis dato noch nie dagewesene Untersuchung zum Eichhörnchen in der Stadt durchgeführt werden, die teilweise ganz neue Erkenntnisse über das Leben der Nager in Lichtenberg lieferte. So konnte gezeigt werden, dass das Eichhörnchen im Bezirk großflächig verbreitet und in den Wohnanlagen der Menschen relativ häufig anzutreffen ist. Dort nutzen sie ganz selbstverständlich die menschlichen Strukturen (Hausdächer und Wände, Zäune, etc.) um von einem Ort zu einem anderen zu gelan­gen. Dennoch stellen Bäume auch in der Stadt eine der essentiellen Grundlagen für das Vorkommen von Eich­hörnchen dar. Dies konnte eindeutig anhand der Verbreitung der Nager im Bezirk nachvollzogen werden. Wo fast keine Bäume stehen (Industriegebiete) oder diese noch zu klein sind, um für ein Eichhörnchen interessant zu sein, wurden keine Tiere gesichtet. Innerhalb der Stadt ist ihre Verbreitung jedoch nicht mehr von größeren, wald­artigen Baumbeständen abhängig. Hier reichen bereits kleinere, inselartige Bestände bzw. einige Einzelexempla­re zwischen Häusern als Lebensgrundlage aus. Weitere Untersuchungen zeigten, dass es in einigen Bereichen von Lichtenberg inzwischen sogar mehr Eichhörnchen gibt als im natürlichen Lebensraum (Wald). Auch an den Menschen haben sich die ehemals scheuen Nager schon sehr gewöhnt. Sie nisten an unseren Häusern auf Bal­konen, Fensterbrettern oder sogar in Hauswänden. Dort sind sie vor Wind und Wetter geschützt und werden zu­dem häufig von den Anwohnern gefüttert. Kein Wunder, dass sie auch ihre Jungtiere in Kobeln (so heißen die Nester der Eichhörnchen) bei den Menschen bekommen und erfolgreich großziehen. Teilweise haben die kleinen Nager ausgeklügelte Techniken und Verhaltenweisen weiterentwickelt, um an die Nahrung der Menschen zu ge­langen. So laufen sie bettelnd Parkbesuchern hinterher, warten geduldig an Balkontüren und Fenstern auf Futter oder stibitzen Nahrung direkt vom Menschen.

Die Eichhörnchen in Lichtenberg zeigen somit typische Anzeichen einer Verstädterung und gehören ebenso wie Wildschweine, Rotfüchse und Feldhasen zu den Arten, die den Lebensraum Stadt für sich erschlossen haben und somit zu einem festen Bestandteil der Stadtfauna geworden sind.

Juni 2011