Bürgerschaftliches Engagement ist in. Allein in Deutschland sind 23 Millionen Menschen ehrenamtlich tätig. Über Chancen und Risiken freiwilliger ehrenamtlicher Arbeit sprachen wir mit Nina Blankenburg, Koordinatorin für Freiwilligenarbeit bei der SozDia.
Frau Blankenburg, welche Möglichkeiten sehen Sie Freiwillige in die Arbeit der SozDia einzubeziehen?
In den meisten Projekten werden Freiwillige dringend gebraucht. Da fällt mir beispielsweise die Kindern vorlesende Rentnerin ein, oder jemand, der Kindergruppen bei Ausflügen begleitet. Aber auch in der Jugendarbeit freuen wir uns über Freiwillige! Hier könnten z.B. StudentInnen Tanzworkshops oder Kunstworkshops anbieten. Auch in der Hausaufgabenhilfe ist der Einsatz von Ehrenamtlichen vorstellbar. Wichtig ist allerdings dabei, die neuen Formen des Engagements zu berücksichtigen.
Und die wären?
Das neue Ehrenamt orientiert sich auf zeitlich befristete Projekte. Wir müssen uns also überlegen, für welche Bereiche/Projekte wir Freiwillige suchen. Jeder Einsatz sollte zeitlich begrenzt sein, mit einer Option auf Verlängerung. Ebenso gibt es Menschen, die sich gerne engagieren würden, aber nicht wissen wo und wie. Deswegen müssen wir Stellenausschreibungen formulieren und gezielt suchen. Nicht zu vergessen sind die Motivationsfaktoren. Erst wenn wir wissen, warum sich jemand ehrenamtlich engagiert, können wir Anreize schaffen.
An welche Anreize denken Sie? Engagiert man sich nicht ehrenamtlich, um etwas Gutes zu tun?
Freiwillige möchten ernst genommen werden. Sie haben ihre eigenen Meinungen, Anschauungen, und Ideen. Darüber wollen sie diskutieren und sich austauschen. Viele junge Freiwillige möchten Berufserfahrung sammeln oder sich ausprobieren. Das bedeutet aber auch, dass sie sich ein Feedback ihrer Arbeit wünschen. Freiwillige könnten an Teamsitzungen teilnehmen. Das fördert ein gegenseitiges Kennenlernen und unterstützt die Identifikation.
Entsteht hierbei nicht Konkurrenz? Hauptamtliche könnten doch dadurch das Gefühl der Verdrängung empfinden.
Wir sollten diese Befürchtung ernst nehmen, denn nicht selten betonen Politiker gerne die Bedeutung des Ehrenamts, zur Kostensenkung. Nein, hauptamtliche pro- fessionelle Arbeit kann durch freiwilliges Engagement nicht ersetzt werden. Freiwillige haben eine andere Professionalität. Durch ihre Integration können die Angebote im Projekt ausgebaut bzw. vertieft werden. Durch den Einsatz von Freiwilligen können etwa sozial Benachteiligte Nachhilfe erhalten. Dadurch entsteht ein neues Zusammenarbeiten, was von Hauptamtlichen begleitet werden muss. Denn es ist von großer Bedeutung, dass die von Freiwilligen gesammelten Erfahrungen reflektiert und besprochen werden. Ehrenamtliches Engagement kann also nur wachsen und gedeihen, wenn Hauptamtliche vor Ort sind, die diese neue Zusammenarbeite strukturieren und coachen.
Was muss innerhalb der SozDia passieren, um ehrenamtliche Tätigkeit mehr als bisher zu fördern?
Die Kompetenz der Freiwilligen als einen reichen Schatz wahrnehmen, sollte unser ständiger Anspruch sein. Wichtig ist, Beteiligungsmöglichkeiten für Ehrenamtliche zu installieren. Denn Ehrenamtliche betrachten eine Situation oftmals mit ganz anderen Augen als hauptamtliche. Ich wünsche mir einen regen Austausch über die Arbeit mit Ehrenamtlichen. Und dass wir die Einsatzbereiche für sie erweitern.
Das Interview führte Kristian Liedemit
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