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Deutscher Naturschutzpreis 2012

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"Stadt braucht Natur - gemeinsam für Vielfalt, Naturerfahrung und Lebensqualität". Unter diesem Motto loben das Bundesamt für Naturschutz (BfN) und der Outdoor-Ausrüster Jack Wolfskin den diesjährigen Deutschen Naturschutzpreis aus. Die hochkarätig besetzte Jury vergibt den Preis für originelle Projektideen aus Naturerlebnis, Naturbildung und Naturschutz in den drei Kategorien: Förderpreis, Bürgerpreis und Ehrenpreis. Die Bewerbungsfrist für Förder- und Ehrenpreis endet am 9. April 2012, für den Bürgerpreis aber am 3. August 2012.

Weitere Informationen unter: www.deutscher-naturschutzpreis.de.

Der Gehrensee - eine Erfolgsgeschichte des Naturschutzes

Gehrensee 1982
Schlammbänke 2002
Gehrensee 2005
Manuelle Gehölzbeseitigung 2006
Gehrensee 2007
Gehrensee 2011
Rinder am Gehrensee 2011
Hr. Machatzi beim Botanisieren 2011, Fotos: Heinz Nabrowsky

von Heinz Nabrowsky  /   Druckversion

Für viele Lichtenberger und erst recht Berliner ist der Gehrensee kein Begriff. Manch einer vermutet aber doch noch irgendwo im Norden des Bezirkes ein größeres seeähnliches Gewässer. Immerhin gibt es eine nach dem See benannte Straße (die Gehrenseestraße), die wiederum einem S- Bahnhof ihren Namen gab. Wer sich dann tatsächlich einmal zum Gehrensee verirrt, ist vielleicht enttäuscht. Denn unnweit des S- Bahnhofs Ahrensfelde am Rande einer noch auf Bebauung wartenden wiesenähnlichen Brachfläche liegt er tatsächlich - der Gehren­see. So richtig sehen kann man ihn nicht. Da gibt es eine Plattform und einen Hügel mit Aussichtspunkt. Eine schöne Treppe aus Naturstein lockt den Besucher in die Höhe. Die Mühe des kleinen Aufstieges wird zumindest mit einer Bank und einer Informationstafel belohnt. Die im feuchtwarmen Sommer in die Höhe geschossenen Weiden versperren den Blick und geben nur kleine Sichtfenster frei. Besser sieht es schon von der Plattform an der Südseite aus. Von einem richtigen See ist allerdings weit und breit nichts zu sehen. Zwischen den Röhrichten blinken kleine offene Wasserflächen. Mit ein wenig Glück kann man im Sommer Nahrung suchende Weißstörche sehen oder auch den typischen Ruf des Zwergtauchers, einer Vogelart, hören. Mehr ist nicht möglich. Wer den Zugang zum See sucht, stößt überall auf Weidezäune. Doch wer jetzt im Spätsommer kommt, wird dafür durch blühende Wiesen entschädigt. Im Gehrenseepark, natürlich auch nach dem See benannt, stehen zahlreiche krautige Pflanzen in schöner Blüte. Zwischen den Hochstauden verstecken sich Gras- und Heidenelken. Und wer auf einmal eine blaue Heuschrecke zu sehen glaubt, hat tatsächlich Recht. Denn hier macht sich auf den sonni­gen Kiesflächen die Blauflüglige Ödlandschrecke breit. Im Flug entfaltet sie ihre blauen Flügel, die in der Ruhe nicht zu sehen sind.

Was hat es denn nun mit dem Gehrensee auf sich? Warum hat er für den Naturschutz in Lichtenberg einen ho­hen Stellenwert?

Die Entstehung des Gewässers

Auf dem Urmesstischblatt der Preußischen Kartenaufnahme von 1869 - 1871 sind im Nordosten Berlins zahlrei­che Gewässer verzeichnet, die heute nicht mehr existieren. Der Gehrensee dagegen hat die Stürme der Zeiten überstanden, wohl weil er auch für das Gebiet eine nicht unbedeutende wasserwirtschaftliche Funktion erfüllt. Wenige Jahre nach Herstellung dieser Urmesstischblätter gab es gerade im Gebiet um Falkenberg erhebliche Veränderungen - wurden hier doch nach Hobrechts Plan zahlreiche Rieselfeldflächen angelegt. Es ist heute nicht bekannt, warum das Gebiet um den Gehrensee nicht einbezogen wurde. Vielleicht war es die Nähe zum Dorf Ah­rensfelde, vielleicht gab es auch Schwierigkeiten beim Ankauf der Grundstücke. Dagegen wurden viele andere Gewässer beseitigt oder in die Rieselfeldnutzungen einbezogen.

Das Alter des Gehrensees ist nicht zweifelsfrei bekannt -
Pollenuntersuchungen ergaben aber ein Alter von mehreren hundert Jahren. Im Zusammenhang mit der Sanierung des Gehrensees wurden 2003 aus dem Sedi­ment des Gehrensees - also dem Schlamm und dem Untergrund - Bohrkerne entnommen und Pollen analysiert. Viele Gewässer auf der Barnimhochfläche sind unmittelbar nach der letzten Eiszeit entstanden. Tauende Eisblö­cke hinterließen Hohlformen, die lange Zeit wassergefüllt blieben. Später bildeten sich hier Wälder aus, die vor ca. 700 bis 800 Jahren gerodet wurden. Die Waldrodungen stehen im engen Zusammenhang mit der Gründung der Dörfer in der unmittelbaren Umgebung des Gehrensees wie Falkenberg oder Ahrensfelde. Viele Hohlformen fielen während der Phase der Bewaldung trocken, da der Waldboden der hier dominierenden Buchenwälder Nie­derschläge zurückhielt. Später, nach der Rodung und Bearbeitung der Böden für die Landwirtschaft, änderte sich das. Die Niederschläge konnten relativ ungehindert in die Hohlformen abfließen und füllten diese mit Wasser. An­fänglich war eine Entwässerung auf Grund fehlender technischer Möglichkeiten meist nicht möglich.

Die Eigentümer und Anrainer nutzten die Kleingewässer bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts wirtschaftlich. Es wurden Fische gehalten, Schafe gewaschen, im Sommer gebadet. Die Kleingewässer dienten oft auch für die Bewässerung der benachbarten Flächen. In Trockenzeiten wurde der Schlamm als Dünger für die benachbarten Felder benutzt. Die Randsäume der Kleingewässer waren für den Ackerbau auf Grund der schwankenden Was­serstände schwer nutzbar. So entstand ein breiter Grünlandsaum, der meist mit Schafen und Ziegen beweidet wurde. Die natürliche Ausbildung von Gehölzstreifen am Ufer konnte damit unterbunden werden. Es wurden aber Kopfweiden gezogen, um die Ruten für das Flechten von Körben u.ä. zu verwenden. Da wo es Schilfröhricht gab, wurde es ebenfalls genutzt, z.B. als Material für Rieddächer. Diese Nutzungen wurden teilweise bis in das 20. Jahrhundert fortgesetzt. In dieser Zeit wanderten auch zahlreiche Tier- und Pflanzenarten in die von Menschen geschaffene Kulturlandschaft ein.

Typisch für das Gebiet um den Gehrensee ist bis zum heutigen Zeitpunkt das Vorkommen der Weißstörche, die nach wie vor im Dorf Falkenberg brüten und auch im Jahr 2011 mit drei Jungstörchen erfolgreich für Nachwuchs sorgten. Aber auch weniger auffälligere Arten wie Schleiereulen, Rotbauchunken und Laubfrösche hielten Einzug in die Landschaft. Am Gehrensee wurde noch 1961 ein Laubfrosch beobachtet - das letzte Exemplar eines ur­sprünglich riesigen Vorkommens im Bereich Ahrensfelde - Blumberg - Hönow. Die Rotbauchunke hielt sich hier erfolgreich bis 1982. Vermutlich existierte im Gehrensee der wichtigste Laichplatz dieser Art im Nordosten. Ne­ben der Rotbauchunke wurden bis 1982 noch weitere sieben Amphibienarten an diesem Laichplatz nachgewie­sen. Die Rotbauchunke gehört zu den in Berlin vom Aussterben bedrohten Tierarten, denn im Jahr 2005 gab es nur noch zwei Laichplätze in der Hönower Weiherkette und in den Falkenberger Rieselfeldern.

Die Bebauung des Geländes

Obwohl die Bedeutung des Gehrensees als Lebensraum vieler geschützter Tier- und Pflanzenarten bekannt war, wurde er in eine vom Ministerium des Innern der DDR geplante Baufläche einbezogen. Das Gelände an der Ah­rensfelder Chaussee wurde 1982 weitläufig mit einer Mauer und Wachtürmen umgeben. Dazu erfolgten Auf­schüttungen von Bodenmaterial in Grünlandbereiche. Der Erdpfuhl östlich des Gehrensees verschwand fast völ­lig. Das Gelände wurde für den Strafvollzug genutzt. Südlich des Gehrensees entstanden zahlreiche Gebäude und Straßen. Nördlich des Gehrensees wurden Hundezwinger errichtet, die ringförmig um den Gehrensee ange­ordnet wurden. Der Gehrensee wurde nun als Regenwasserrückhaltebecken genutzt. Die Wassergüte verschlechterte sich deutlich. Das führte in den 80iger und 90iger Jahren zu einer starken Verarmung der Fauna und Flora. Das Sediment, also die Schlammschicht, verstärkte sich deutlich.

1990 wurde das Gelände für die Naturschutzbehörde wieder zugänglich. Die Nutzungen wurden schrittweise auf­gegeben, übrig blieb nur eine Grundstücksverwaltung, die Teile des Geländes für gewerbliche Nutzungen vermie­tete. Zwischen 1995 und 2000 gab es mehrere Anläufe, das Gelände durch Investoren zu vermarkten. Am Ende setzte sich die HOWOGE mit ihren Vorstellungen durch.

Untersuchung des Gehrensees durch das Amt für Umwelt und Natur

Das Amt für Umwelt und Natur ließ 1997 einen Pflege- und Entwicklungsplan für den Gehrensee erarbeiten, da der Gehrensee für den Naturschutz im Norden des Bezirkes auf Grund seiner Lage und seines Potenzials eine wichtige Rolle spielte. Daraus ableitend entwickelte sich schrittweise die Vorstellung, den Gehrensee in eine na­turnahe Erholungslandschaft zu integrieren. Diese Möglichkeit entstand, nachdem die HOWGE die Flächen zwi­schen Gehrensee und Ahrensfelder Chaussee für Ziele des Wohnungsbaus erworben hatte. Nachdem die Ziel­stellung geklärt war, bemühte sich das Bezirksamt um Fördermittel zur Sanierung des Sees und zur Gestaltung der brachliegenden Flächen. Die Gespräche zwischen Senat und Bezirk zur Förderung des Projektes aus dem Umweltentlastungsprogramms verliefen positiv. Zur Klärung der weiteren Aufgabenstellung veranlasste das Amt für Umwelt und Natur 2002 hydrologische Untersuchungen.

Das Büro Wassmann ermittelte die Grunddaten für das Gewässer. Die Wasserfläche des Gehrensees beträgt 10.678 m². Die maximale Tiefe belief sich im Herbst 2002 auf 0.46 m, die durchschnittliche Tiefe auf 0.19 m. Aus diesen Daten geht hervor, dass der Gehrensee nach fachlichen Kriterien nicht als See einzustufen ist, Gewässer in vergleichbarer Größe und Tiefe werden in Berlin in der Regel als Pfuhl bezeichnet. Bei den Untersuchungen konnte auch eine Faulschlammschicht ermittelt werden. Ungeklärt ist ihr Entstehungszeitraum. Er dürfte größten­teils zwischen 1982 und 1999 liegen, als mit Niederschlagswasser Staub- und Schmutzpartikel eingeleitet wur­den. Auch nach Entfernung einer Faulschlammschicht, die nach den Untersuchungen bis zu 1.15 m stark ist, be­trägt die mittlere Wassertiefe nur etwa 0.50 m. In der Vergangenheit war der Gehrensee also nicht größer und nur geringfügig tiefer. Wie und von wem er den Namen "See" erhielt, ist eine der ungeklärten Fragen. In der Preu­ßischen Kartenaufnahme von 1869 - 1871 wurde das Gewässer bereits als Gehrensee bezeichnet. Vielleicht gab es hier in der Vergangenheit Nutzungen, die eher einem größeren Gewässer zuzuordnen wären?

Unterhalb der Faulschlammschicht befindet sich eine etwa bis zu 7 m mächtige Torfschicht oberhalb des in der Eiszeit abgelagerten Mergels. Der nördliche Teil des Gewässers grenzt bereits an die ehemalige Schmelzwas­serrinne, die das Gebiet vom Berlpfuhl im Westen bis nach Ahrensfelde im Osten durchzieht. Bei den Untersu­chungen wurde festgestellt, dass der Gehrensee vom obersten Grundwasserleiter gespeist wird. Der Gehrensee besitzt außerdem einen Zufluss vom Westen und einen Abfluss im Osten, der das Gebiet Richtung Wuhle ent­wässert. Die Beibehaltung dieses Grabensystems ist erforderlich, um Wasserschäden in den benachbarten Sied­lungen zu vermeiden. Die Sohltiefe der Gräben wurde auch nach der Sanierung beibehalten. Die Querschnitte bemessen sich nach der geplanten Regenwassereinleitung aus dem Wohngebiet.

Neben der Information zur geringen Wassertiefe erbrachten die Untersuchungen aber weitere wichtige Erkennt­nisse. Im Gewässer fehlte zwischenzeitlich das Zooplankton fast völlig, so dass es zur ungebremsten Entwick­lung des Phytoplanktons kam, von dem sich das Zooplankton ernährt.

Der Rückbau und die Maßnahmen zur Sanierung des Gehrensees und der Entwicklung einer Grünfläche

Das Amt für Umwelt und Natur stellte 2003 in Zusammenarbeit mit der HOWOGE den Antrag auf Förderung der Sanierungsmaßnahme Gehrensee aus dem Umweltentlastungsprogramm (UEP). Die HOWOGE hatte zu diesem Zeitpunkt im Rahmen einer naturschutzrechtlichen Ersatzmaßnahme aus dem Bebauungsplan Falkenwiese den Abriss von Gebäuden und die Entsiegelung befestigter Flächen veranlasst. In dem UEP- Projekt waren auch der Neubau einer naturnahen Parkanlage und der Ausbau des Gehrenseegrabens vorgesehen. Der Antrag wurde positiv entschieden und im Sommer 2003 konnte mit den ersten Baumaßnahmen begonnen werden.

Anfang August 2003 fiel der Gehrensee letztmalig trocken. Grund dafür war ein Niederschlagsdefizit im Sommer. In dieser Phase konnte eine Entnahme des Faulschlamms als Trockenentschlammung sehr kostengünstig durch­geführt werden. Zeitnah wurde auch der Gehölzbestand im Uferbereich ausgelichtet. Aus Naturschutzgründen er­folgte der Bau eines Wildschutzzaunes um das Gewässer. Eine Plattform und ein Aussichtspunkt wurden dann zum Abschluss der Maßnahme 2005 errichtet.

Nach der Entnahme des Faulschlamms diskutierten Fachleute, ob im Rahmen des Klimawandels nicht mit einem ständigen Austrocknen des Gehrensees zu rechnen sei. Letztendlich setzte sich dann die Meinung durch, dass die Datenlage für eine solche Einschätzung zu gering sei. Auf eine weitere Vertiefung und Entnahme des Torfes wurde daher verzichtet. Acht Jahre später zeigt es sich, dass diese Auffassung bisher richtig war. Der Gehrensee wies nur im Herbst 2006 einen niedrigen Wasserstand auf.

Bei Begehungen des ausgetrockneten Gewässers im Jahr 2003 wurden in geringer Zahl auch tote Fische gefun­den, überwiegend Karauschen und Giebel. Von 1982 bis 1990 nutzten die Verwalter des Grundstückes den Geh­rensee als Angelgewässer und setzten nach eigenen Angaben Fische ein. Umso erstaunlicher war es, im ausge­trockneten Gewässer nur einzelne tote Fische vorzufinden. Wahrscheinlich starben die eingesetzten Fische be­reits in den kälteren Wintern bei geschlossener Eisdecke. Ein Teil dürfte auch von den Graureihern erbeutet wor­den sein, die sich im Gehrensee zur Nahrungssuche niederlassen. Auf Grund der geringen Tiefe finden Fische auch zukünftig keine Lebensmöglichkeiten im Gehrensee.

Die Pflege

Nach Abschluss der Sanierungsarbeiten im Jahr 2005 war es erforderlich, den hergestellten Zustand des Gewäs­sers zu erhalten. Das erwies sich als kompliziert.

Bereits nach Abschluss der Sanierungsarbeiten im Gewässer hatten sich 2006 die Populationen von Teichmolch, Knoblauch-, Erd- und Wechselkröte, Moor- und Teichfrosch außerordentlich gut entwickelt. Die Teichfroschpopu­lation weist hier mit mehreren tausend Exemplaren eine der höchsten Bestandsdichten im Nordosten Berlins auf - was für das Falkenberger Weißstorchpaar von besonderer Bedeutung ist. Frösche stellen hier die wichtigste Nahrungsgrundlage für die Aufzucht der Jungstörche dar. Daher ist es auch nicht möglich, im Zeitraum von Ende Februar bis Ende Oktober eine maschinelle Mahd durchzuführen, da durch Motorsensen oder andere maschinel­le Mähgeräte ein Totalverlust auftritt. Die Frösche und andere kleinere Tiere können in der Regel nicht ausrei­chend flüchten und werden bei der Mahd getötet.

Das Amt für Umwelt und Natur hat nach Abschluss der Sanierungsarbeiten mit der zuständigen Gewässerunter­haltung (Der Gehrensee wird als fließendes Gewässer von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung verwaltet.) vereinbart, die Entwicklungspflege des geschützten Biotopes in eigener Regie zu organisieren. Im Rahmen der Gewässerunterhaltung ist es üblich und auch aus Kostengründen zurzeit nicht anders regelbar, dass einmal im Jahr eine maschinelle Mahd der Uferbereiche erfolgt. Das ist beim Gehrensee aber nicht möglich. Das Gewässer weist einen stark schwankenden Wasserstand auf. Das führte dazu, dass bereits 2006 durch Weidenaufwuchs die gesamte Wasserfläche zuzuwachsen drohte. Auf Grund einer Trockenperiode trocknete der Gehrensee bis auf einen kleinen Rest nicht aus, was das Wachstum der Weiden ermöglichte. Das Amt für Umwelt und Natur hatte in den Herbstmonaten 2005 und 2006 verschiedene Technologien der manuellen und maschinellen Technik zur Beseitigung von Gehölzaufwuchs ausprobiert. Diese Versuche ergaben, dass nur eine manuelle Beseitigung des Gehölzaufwuchses erfolgreich war. Es gelang aber nicht, den Weidenaufwuchs vollständig zu beseitigen.

Im Jahr 2009 wurde noch einmal versucht, den Gehölzaufwuchs durch Rückschnitt im Winter zu beseitigen. Die Senatsverwaltung hatte ihren Pflegebetrieb im Januar 2009 mit einer Mahd beauftragt, die ergebnislos verlief. Die Maschinen konnten auf Grund der Uferbeschaffenheit nur einen kleinen Teil der Fläche mähen. Es entstand er­heblicher Schaden durch Fahrspuren der schweren Mähtechnik. Um den Weidenbestand zu reduzieren, wurde dann der Verein Naturschutz Berlin-Malchow e.V. mit einer manuellen Beseitigung der noch vorhandenen Wei­den beauftragt.

Im Sommer 2009 kam es wieder zum vereinzelten Weidenaufwuchs, aber auch zur verstärkten Bildung eines Röhrichts mit Breitblättrigem Rohrkolben, der die Laichplätze der Amphibien reduzierte und die Nahrungsaufnah­me durch die Weißstörche erschwerte.

Das Amt für Umwelt und Natur und die Senatsverwaltung sahen nun von einer weiteren manuellen Beseitigung des Gehölzaufwuchses und des Röhrichts ab, da diese Maßnahme zu kostenaufwendig war. Als letzte Möglich­keit wurde eine Beweidung angesehen.

Dazu erfolgte ein Gespräch mit dem Verein Naturschutz Berlin-Malchow e.V., der im Nordosten Berlins bisher als einziger Landwirtschaftsbetrieb über Erfahrungen mit der Beweidung von Feuchtgebieten verfügt. Im Frühjahr 2010 gab es dann die Abstimmung zur Beweidung. Nach den Richtwerten für die extensive Beweidung mit Rin­dern fehlte aber ca. 1 Hektar Fläche, um einen Mindestbesatz mit zwei Tieren vorzunehmen. Um die Mindestflä­che zu erreichen, wurde vom Amt für Umwelt und Natur ein Teil des angrenzenden Gehrenseeparks zur Verfü­gung gestellt.

Nach dem Zaunbau im Sommer 2010 erfolgte schließlich der Besatz mit Heckrindern. Von Mitte November 2010 bis Ende Mai 2011 hielten sich zwei Mutterkühe und 1 Kalb im Gelände auf. Im Frühjahr wurde ein weiteres Kalb geboren. Der Besatz mit den Rindern erfolgte später als vorgesehen, da die Tiere nur mit hohem Aufwand aus der Herde in dem NSG Falkenberger Rieselfelder ausgesondert und gefangen werden konnten. Auf Grund der extremen Witterung im Dezember 2010 erfolgte aus Tierschutzgründen eine Zufütterung.

Fazit

Inzwischen kann eine erste Einschätzung des Ergebnisses der Beweidung erfolgen. Am 18. Mai und am 13. Juli 2011 wurden Kontrollen des Geländes durchgeführt. Daran nahmen am 13.07.2011 die Botaniker Herr Machatzi (Mitarbeiter beim Landesbeauftragten für Naturschutz und Landschaftspflege) und Herr Meissner (Leiter Koordi­nierungsstelle Florenschutz der Stiftung Naturschutz Berlin) teil. Beide sind auch Mitglieder des Botanischen Ver­eins Berlin - Brandenburg.

Zusammenfassend kann festgestellt werd

  • Der Weidenaufwuchs ist bis auf einzelne Exemplare verschwunden.

  • Das Röhricht wurde stark abgefressen. Dabei entstand ein unterschiedliches Muster, was aus Natur­schutzgründen erwünscht ist.

  • Der Weißstorch hat die Uferbereich wieder für die Nahrungsaufnahme genutzt.

  • Inzwischen haben sich die Rotbauchunken im Gehrensee angesiedelt. Auch die Ringelnatter wird häufig angetroffen.

  • Die Botaniker konnten im Uferbereich eine hohe Artenvielfalt feststellen. Auch auf den Weideflächen in der Parkanlage haben sie das Ergebnis als sehr gut bewertet, da durch den Fraß der Rinder ein ande­res Vegetationsmuster entsteht als mit maschineller Mahd.

Die Beweidung der Fläche als Unterhaltungsmaßnahme hat also den bestmöglichen Erfolg gezeigt. Weder die Senatsverwaltung noch das Bezirksamt haben seit Sommer 2010 Mittel für die Unterhaltung der Flächen ausge­ben müssen. Die Zaunanlage wurde aus Fördermitteln finanziert. Durch die Außenumzäunung als Bestandteil der Weidefläche konnten auch keine Schäden durch Abfallablage, Vandalismus u.a. registriert werden. Vor Beginn des Projektes wurden die Anlieger über die Beweidung informiert. Einige Anwohner sprachen sich gegen die Um­zäunung aus. Inzwischen hat das Projekt offenbar ausreichend Akzeptanz gefunden. Beschwerden sind nicht be­kannt.

Am Gehrensee wurde Pionierarbeit für die beispielhafte Pflege kleinerer Feuchtgebiete geleistet. Für den Besu­cher scheint es eine einfache Maßnahme zu sein, einen Zaun zu errichten und Rinder in die Koppel zu stellen. Im Hintergrund müssen aber viele grundsätzliche Fragen innerhalb der Verwaltung geklärt werden. In dieser Form sind Rinder als Landschaftspfleger neu. Es ist davon auszugehen, dass in den nächsten Jahren im Bezirk Lichtenberg auch weitere kleinere Flächen beweidet werden.

September 2011