Ausgabe Mai 2012
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Deutscher Naturschutzpreis 2012

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"Stadt braucht Natur - gemeinsam für Vielfalt, Naturerfahrung und Lebensqualität". Unter diesem Motto loben das Bundesamt für Naturschutz (BfN) und der Outdoor-Ausrüster Jack Wolfskin den diesjährigen Deutschen Naturschutzpreis aus. Die hochkarätig besetzte Jury vergibt den Preis für originelle Projektideen aus Naturerlebnis, Naturbildung und Naturschutz in den drei Kategorien: Förderpreis, Bürgerpreis und Ehrenpreis. Die Bewerbungsfrist für Förder- und Ehrenpreis endet am 9. April 2012, für den Bürgerpreis aber am 3. August 2012.

Weitere Informationen unter: www.deutscher-naturschutzpreis.de.

Da waren es nur noch drei

Foto: Beate Kitzmann

von Beate Kitzmann   /   Druckversion

Eine amtliche Zählung in den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts erbrachte für Berlin elf Storchenhorste. Da­von lagen zehn im Bereich der Rieselfelder im Norden und Nordosten der Stadt. Bis 1945 brütete auf dem Grund­stück in der Malchower Dorfstraße 34 jedes Jahr ein Storchenpaar. Am Ende des Krieges kamen die meisten Störche durch die Kampfhandlungen oder direkten Abschuss um. Im gesamten Berliner Stadtgebiet gab es dann viele Jahre keine Störche mehr.

Erstmals 1966 in Hellersdorf, in den darauf folgenden Jahren auch in Falkenberg und Malchow (1971) siedelten sich wieder Störche an. Die Nester in Malchow auf bzw. neben dem Gelände der Naturschutzstation und das drit­te in Falkenberg auf dem Schornstein der alten Bäckerei werden bis heute genutzt. Dort ziehen Weißstörche re­gelmäßig ihre Jungen auf. Es sind die drei letzten Nester im Berliner Stadtgebiet.

Nicht immer aber verliefen Brut und Aufzucht glimpflich.

Bereits 2009 fielen die Storchenjungen beider Malchower Nester Dauerregen und Schafskälte zum Opfer. Nach­dem 2010 sechs Jungstörche in der zweiten Augusthälfte wohlbehalten ihre lange Reise nach Süden antreten konnten, gestaltete sich in diesem Jahr die Aufzucht des Malchower Nachwuchses leider erfolglos.

Das Nest auf dem Schornstein der alten Gärtnerei blieb auf Grund der späten Ankunft des zweiten Storchenpaa­res unbebrütet. Die Zeit bis zum Abflugtermin der Jungen hätte einfach nicht mehr gereicht. Aus dem Gelege mit vier Eiern im Nest auf dem Mast im Erlebnisgarten der Dorfstraße 35 hätten es hingegen zwei Storchenküken fast geschafft. Als sie jedoch Mitte Juni beringt werden sollten, fand der zuständige Beringer Jens Scharon vom Berliner NABU im Nest nur noch zwei tote Tiere vor.

Was war geschehen? Mehrere Tage davor gingen über Berlin wolkenbruchartige Regenfälle nieder. Da in älteren Horsten jahrelang mit dem Nistmaterial auch Lehm und Sand eingetragen wird, verdichtet sich der Boden derart, dass kein Wasser mehr ablaufen kann. Bereits zu groß, um von den Altvögeln gehudert (schützend wärmen) werden zu können, waren die Jungen schutzlos dem kalten Regenbad ausgesetzt. Die folgenden Nächte waren sehr frisch. So verendeten sie wahrscheinlich an den Folgen einer Lungenentzündung durch Unterkühlung. Auch Ertrinken kann als Todesursache nicht völlig ausgeschlossen werden. Ornithologen wissen um diese Gefahren und haben anderenorts mehrfach versucht, Drainagen anzulegen. Das erwies sich jedoch als nutzlos, da die Lö­cher im Nestboden von den Altvögeln unverzüglich wieder verstopft wur­den.

An Ratschlägen und nachdrücklichen Forderungen, wie man derartige Tragödien in Zukunft verhindern könnte, mangelte es nicht. Die Palette reichte vom Ausschöpfen der Nester nach jedem Regen bis zu deren Überda­chung. Über Landung und Start der Störche bei solchen Konstruktionen hatten sich die mitfühlenden Besucher weniger Gedanken gemacht.

So traurig es klingen mag, die Natur handelt nach eigenen Gesetzen. Wenn sich diese Art des Nestbaus für die Störche über Jahrtausende als zweckmäßig erwiesen hat, sollte der Mensch nicht glauben, sie durch sein Ein­greifen verbessern zu können. Ohne die geringsten Anzeichen von Irritation nutzen die Altvögel beide Malchower Nester weiterhin und begrü­ßen einander unvermindert mit lautem Klappern.

Die drei verbliebenen Jungstörche im dritten Berliner Nest in Falkenberg haben sämtliche Wetterkapriolen gut überstanden. Ihr Abflug nach Afrika auf der Ostroute über den Bosporus ist Mitte bis Ende August zu erwarten. Wir wünschen ihnen eine gute Reise.

P.S. Einer der beiden Elternvögel aus dem Nest mit den verlorenen Jungen kommt ursprünglich aus Zepernick, wie der Ornithologe Winfried Otto nach Ablesen des Ringes feststellte. 2007 wurde der Storch als Küken zu Dr. Va­lentin nach Melchow gebracht, nachdem sein Nest durch Blitzschlag zersört worden ist. Der rührige Tierarzt zog ihn gemeinsam mit vier Malchower Jungstörchen auf, die damals nach dem tödlichen Unfall eines Elternvo­gels ebenfalls ihre Kinderstube in Melchow hatten.

August 2011