Ausgabe Mai 2012
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Deutscher Naturschutzpreis 2012

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"Stadt braucht Natur - gemeinsam für Vielfalt, Naturerfahrung und Lebensqualität". Unter diesem Motto loben das Bundesamt für Naturschutz (BfN) und der Outdoor-Ausrüster Jack Wolfskin den diesjährigen Deutschen Naturschutzpreis aus. Die hochkarätig besetzte Jury vergibt den Preis für originelle Projektideen aus Naturerlebnis, Naturbildung und Naturschutz in den drei Kategorien: Förderpreis, Bürgerpreis und Ehrenpreis. Die Bewerbungsfrist für Förder- und Ehrenpreis endet am 9. April 2012, für den Bürgerpreis aber am 3. August 2012.

Weitere Informationen unter: www.deutscher-naturschutzpreis.de.

10.000 Bäume für Berlin

Fotos: Kathleen Pohl

- und über den schleichenden Baumschwund in Berlin

von Kathleen Pohl   /   Druckversion

Berlin ist eine der grünsten Städte der Welt. Fast 48 % der Landesfläche werden von Wäldern, Gewässern, Agrarflächen, Park- und Grünanlagen eingenommen. Und Grün hat in der Stadt eine lange Tradition, die die Preußenkönige, einschließlich Friedrich II., mit ihren schönen Parkanlagen in Berlin und Brandenburg gründeten. Umso mehr bereitet es dem einen oder anderen Unbehagen, wie Berlin mit seinem öffentlichen Grün und seiner grünen Politik für die Privatwirtschaft, repräsentiert durch die Bauordnung, umgeht. Diese beiden Themen wollen wir einmal genauer betrachten.

Eine letzte Novellierung der Berliner Bauordnung durch die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung gab es im September 2005. Interessant und leider auch kritisch zu betrachten, ist im 1.Teil, §8, der Aussagen zu nicht überbauten Flächen von be­bauten Grundstücken spricht. Damit sind Freiflächen von Gewerbegrundstücken gemeint. Nach alter Regelung sind diese Flächen "5 m hinter der festgesetzten Straßenbegrenzungslinie oder, ... hinter der tatsächlichen Straßengrenze gärtnerisch anzulegen und zu unterhalten...". "Eine Bepflanzung mit Bäumen und Sträuchern kann verlangt werden. Die übrigen nicht überbauten Flächen der bebauten Grundstücke sind gärtnerisch unversiegelt anzulegen und zu unterhalten." Die neue Re­gelung vertraut darauf, dass die Privatwirtschaft verantwortlich und im Sinne der Senatsverwaltung mit den Flächen umgeht: Sie sind "wasseraufnahmefähig zu belassen oder herzustellen und zu begrünen oder zu bepflanzen". Welche Auswirkungen hat nun diese, mehr auf Eigenverantwortung bauende, Regelung? Leider werden die Unternehmen dem Vertrauensvor­schuss nicht gerecht. Pflanzenkölle in Hoppegarten/ Brandenburg ist ein sehr positives Beispiel. Hier grünt und blüht es üp­pig. Weniger schön, ist der jüngst eröffnete Globus-Baumarkt an der Landsberger Allee.

Wie ergeht es nun dem öffentlichen Grün, sprich den Bäumen in Berlin? Bäume haben vielseitige Wohlfahrtswirkungen. Sie sehen schön aus, ihr Grün tut unserem Auge und unserer Seele gut. Bäume produzieren Sauerstoff, indem sie schädliches CO² absorbieren und zusammen mit Licht für ihr Wachstum verwenden (Photosynthese). Sie kühlen die Luft im Sommer, spenden Schatten, binden Staub und dämpfen Lärm. Alles Gründe, sie zu erhalten, zu pflegen und zu fördern. Und doch wird in Berlin für Bäume nicht genug getan. Die entsprechenden Gesetze und Etats obliegen den Grünflächen- bzw. den Ämtern für Natur- und Umweltschutz.

Der BUND hat eine Initiative gegründet: "10.000 neue Bäume für Berlin". Der BUND, der seit Jahren regelmäßig Baumrepor­te erstellt, beobachtet einen schleichenden Baumschwund. Es würden zwar für gefällte Bäume wieder welche nachgepflanzt, aber nicht genug. Pro Jahr verschwänden auf diese Weise ca. 2000 Bäume. So ist der Baumbestand in den letzten 5 Jahren um gut 10.000 Bäume geschrumpft. In Lichtenberg sind es rund 700 fehlende Bäume. Zusätzlich setzt ihnen jährlich das Tausalz zu. Bei der im letzten Jahr durch den BUND gegründeten Initiative, können Bürgerinnen und Bürger die leeren Baumscheiben vor ihrer Haustür unter www.baeume-fuer-berlin.de melden.

Dazu stellte ich Herrn Christian Hönig Fragen, der beim BUND Referent für Baumschutz ist.

Kathleen Pohl: Wie ist denn die Resonanz zu der neuen Aktion?

Christian Hönig: Die Resonanz der Bürger auf das Thema Grün in ihrer Stadt sowie die Aufmerksamkeit auf die Aktion "10.000 Bäume für Berlin" ist sehr hoch. Wir kommen kaum hinterher, alle Baumscheibenmeldungen auf der Karte einzutra­gen. Das sieht man auch an den Unterschriftenlisten, die wir an BUND-Ständen oder in allen Biosupermärkten in Berlin aus­liegen haben.

Kathleen Pohl: Was ist das für eine Unterschriftenliste?

Christian Hönig: Mit der Unterschriftenliste kann man den Newsletter erhalten. Aber es geht auch darum, sich für ein gepfleg­teres Grün und für Straßenbäume in unserer Stadt einzusetzen. Die Unterschriftenlisten wollen wir nach der Abgeordnetenh­auswahl der zukünftigen regierenden Partei/ dem Koalitionsbündnis vorlegen und damit mehr Druck machen.

Kathleen Pohl: Was passiert mit den Ergebnissen der Baumscheibenmeldungen?

Christian Hönig: Auch die wollen wir, in Form einer jetzt schon sehr eindrucksvollen Karte, zu den Koalitionsverhandlungen vorlegen. Wir wollen die Aufmerksamkeit der Politiker auf grüne Themen lenken und ihnen ihre Verantwortung bewusst ma­chen.

Kathleen Pohl: Sind Sie der Meinung, dass sich an der Grünpolitik Berlins etwas ändern muss? Ich erinnere da auch an das 11- Punkte- Papier, das Mitte des Jahres von den Berliner Naturschutzverbänden vorgelegt und dann mit Vertretern der Par­teien zur Abgeordnetenhauswahl diskutiert wurde.

Christian Hönig: Auf jeden Fall. In allen 11 Punkten muss sich etwas tun. In erster Linie muss mehr Geld für die beteiligten Ämter sowie Personal zur Verfügung gestellt werden. Vor allem qualifiziertes Personal. Es geht nicht weiter so, dass benötig­te Arbeitskräfte aus dem Stellenpool rekrutiert werden. Kurioser Weise waren an unserer Diskussion mit den Abgeordneten auch sechs Vertreter aus der Verwaltung beteiligt.

Kathleen Pohl: Vielen Dank!

Die Grünpolitik scheint ein weites Feld zu sein, an dem die Politiker zukünftig weiter ackern können. Bleibt zu hoffen, dass dabei die Belange des Umwelt- und Naturschutzes und der Bürgerinnen und Bürger wieder mehr Gehör finden. Das sind wir auch unserem guten Ruf als "grüner Hauptstadt" schuldig, wenn wir weiter Touristen aus aller Welt anziehen möchten. Und die bringen ja bekanntlich auch Geld in die Kassen.

Zur Information: Der 11-Punkte-Plan der Berliner Naturschutzverbände wurde am 24. Mai 2011 mit den umweltpolitischen Sprechern der Parteien diskutiert. www.bund-berlin.de

September 2011